hr4 ÜBRIGENS
hr4
Becker, Michael

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer, Kassel

Mehr Ruhe in seiner Welt

Mehr Ruhe in seiner Welt

Sie ist vierundzwanzig Jahre alt und Polizistin. Das ist sie gerne. Im Fernsehen vor ein paar Tagen aber (ZDF, 37°) klingt sie traurig. Die Arbeit wird schwerer, sagt sie, vor allem als Frau. Dabei schaut sie ernst. Immer mehr Pöbeleien, Schimpfworte. Keiner wird gerne festgenommen, natürlich. Aber sie sind doch schuld, sagt sie. Nicht wir Polizisten. Dabei spielt sie ein wenig mit den Händen. Die Kollegen erzählen Ähnliches. Bei uns laden sie sich ab, die Auffälligen, sagt die junge Frau, die gerne Polizistin ist. Sie machen uns verantwortlich für ihr Unheil. Selbst wenn wir ihnen helfen. Wir kommen in eine Wohnung. Die Frau wurde geschlagen. Erst schreit uns ihr Mann an. Dann will die Frau, dass wir gehen. Die Hilflosen verweigern die Hilfe. Wir sind wie Mülleimer für ihr Unglück.

Dabei sind sie ein Glück, die Polizisten. Vielleicht nicht alle, viele aber schon. Ich bin froh, dass es sie gibt. Neulich an einem dunklen Bahnhof sah ich zwei. Auf Streife. Es waren aufgeregte Tage. Ich sehe die Polizisten und sage zu ihnen: Ich bin froh, dass sie da sind. Mir war, als hätten sie sich gefreut. Das musste ich sagen. Ihre Bezahlung ist nicht üppig, der Schichtdienst kein Glück. Überstunden gibt es genug. Immer mehr sogar. Und immer mehr Aufgaben.

Polizisten sind da, wo ich nicht hin will. In den dunklen Ecken der Welt. Wo Menschen sich aufgeben. Nur noch Gewalt kennen. Da müssen sie hin, die Polizisten. Tag und Nacht. Übernehmen Verantwortung. Und werden dafür beschimpft. Dabei sind sie doch Hoffnung, meistens; bringen etwas Welt in Ordnung. Sie sind vielleicht keine Engel, aber nahe dran. Ohne sie bräche die Welt auseinander. Die Polizei kommt nicht in Gottes Namen, aber so ähnlich. Mit ihnen ist mehr Ruhe in seiner Welt. Es ist auch Gottesdienst, die Welt am Zerbrechen zu hindern.