Von Hessen in die ganze Welt
Moderator/in: Am 15. Januar 1776 – also heute vor genau 250 Jahren – unterschrieb Landgraf Friedrich von Hessen-Kassel einen Vertrag mit dem englischen König. Der König bekam 12.000 Hessen geliehen – als Soldaten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Und die wurden dann auch alle rübergebracht. Kein Wunder, dass es bis heute so viele Amerikaner mit hessischen Wurzeln gibt.
Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche: 12.000 Leute, das war ja damals eine Riesensache. Was war denn da der Hintergrund?
Fabian Vogt: Na, du hast es ja schon gesagt: In Amerika tobte der Unabhängigkeitskrieg und der englische König brauchte dringend Truppen. Die Sache wurde übrigens damals in Europa heiß diskutiert, weil viele sagten: Man darf doch keine Menschen verleihen.
Verrückt ist aber: Viele Hessen sind dann einfach dageblieben und brachten die hessische Kultur nach Amerika. Andere sind zurückgekommen und brachten die amerikanische Kultur mit. Da kam schon früh ein Hauch Globalisierung zu uns.
Wer sich damit näher beschäftigen will: Im Hessischen Staatsarchiv in Marburg beginnt heute die Ausstellung „1776 – Hessen und die amerikanische Unabhängigkeit“.
Moderator/in: Frankfurt ist ein internationaler Finanzplatz, unser Flughafen ein internationales Drehkreuz und in Darmstadt sitzt das Europäische Raumfahrtzentrum. Haben wir Hessen damals gelernt, groß zu denken?
Fabian Vogt: Könnte sein. Andere Länder kennenlernen, andere Kulturen und andere Ideale: Das macht ja einen richtig weiten Horizont. Und dann traue ich mich auch eher, bei mir vor Ort was zu ändern.
Übrigens: Schon die Bibel macht den Menschen immer wieder Mut aufzubrechen. Von Abraham bis zu den Weisen aus dem Morgenland. Gott ermutigt die Menschen: „Mach dich auf! Da gibt es andere Länder, in denen kannst du Erfahrungen machen, die dich verändern. Du wirst im wahrsten Sinne des Wortes lernen, über Grenzen zu gehen. Zumindest deine eigenen.“ Das war bei den Hessen 1776 bestimmt auch schon so.