hr4 ÜBRIGENS
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Müller, Rolf

Eine Sendung von

Pastoralreferent Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Frankfurt

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Eine gelbe Blume wächst aus rissiger, trockener Erde. Die Blüte steht im Mittelpunkt und symbolisiert Hoffnung und Widerstandskraft in einer herausfordernden Umgebung.

Die Zuversicht von damals

Achtzig Jahre wird sie in diesem Jahr alt, die Verfassung unseres Bundeslandes Hessen! Das wird in diesem Jahr groß gefeiert werden! Ich finde das richtig! Denn mit dieser Verfassung gehörte Hessen zu den ersten Ländern in Deutschland, die sich ein demokratisches Regelwerk auf Grundlage der Menschenrechte gegeben hat.

Zuversicht, obwohl das Land in Trümmern lag

Mich beeindruckt die Zuversicht und das Vertrauen in die Zukunft der Menschen, die vor achtzig Jahren damit begonnen haben, eine Verfassung zu schreiben. Denn ich weiß: Es waren schwierige Zeiten damals im Jahr 1946. Mein Vater konnte mir viel davon erzählen! Viele Städte lagen in Trümmern, es gab kaum Arbeit und noch weniger zu essen. Der Winter im Jahr 1945 war hart gewesen, Heizmaterial war knapp; dazu strömten noch hunderttausende Geflüchtete und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in das Land. Eigentlich waren das keine Zeiten für großen Optimismus und Zuversicht gewesen.

Ehemals Verfolgte und Inhaftierte vertrauten auf die Zukunft

Mir ist aber klar: Ohne Optimismus und Zuversicht fängt keiner an, an einer neuen Verfassung zu arbeiten. Wer eine Verfassung schreiben will, der glaubt daran, dass es eine gute Zukunft geben wird. Und so bewundere ich die „Väter der hessischen Verfassung“ - Mütter hatte es leider keine gegeben - für ihren Mut und ihre Zuversicht. Obwohl sie fast alle im Nationalsozialismus Widerstandskämpfer, Verfolgte und Inhaftierte waren, haben sie an eine gute Zukunft geglaubt und dafür gearbeitet.

Die Zuversicht von damals gibt mir Mut für heute

Manchmal wünsche ich mir auch so eine Zuversicht für heute. Von überall her erfahre ich doch, wie schwierig die Lage unseres Landes und der Welt im Moment ist: die Wirtschaft schwächelt, der Friede ist so unsicher wie schon lange nicht mehr, es gibt immer mehr Diktatoren und Despoten, die regieren. Da mache ich mir oft Sorgen um unsere Zukunft.  Aber aus dem Beispiel der Väter der hessischen Verfassung von vor achtzig Jahren kann ich etwas lernen: Es lohnt sich, an eine gute Zukunft zu glauben und dafür zu arbeiten – auch wenn ich dafür einen langen Atem haben muss. Die Zuversicht von damals gibt mir Mut für heute!