hr2 ZUSPRUCH
hr2
Müller-Langsdorf, Sabine

Eine Sendung von

Evangelische Pfarrerin, Zentrum Oekumene, Frankfurt

00:00
00:00
Ein Soldat in militärischer Uniform salutiert mit der rechten Hand. Im Hintergrund steigt die Sonne und taucht die Landschaft in warmes Licht, während der Soldat nachdenklich in die Ferne blickt.

WehrpflICHt

Seit dem 1. Januar ist etwas grundlegend neu für junge Menschen in unserem Land. Alle 18-Jährigen bekommen einen Fragebogen zugeschickt vom Bundesministerium für Verteidigung. 

Neue Wehrpflicht: Beginn einer Gewissensentscheidung für junge Erwachsene

Im Fragebogen geht es darum, ob die jungen Leute bereit sind, Wehrdienst zu leisten. Männer müssen den Fragebogen beantworten, weil sie qua Gesetz „wehrpflichtig“ sind. Frauen und Personen anderen Geschlechts können den Bogen freiwillig ausfüllen.

Freiheit oder Pflicht? Was die neue Wehrdienst-Frage bedeutet

Das ist für viele junge Menschen erst mal komisch. Eine Pflicht, die der Staat verlangt…schränkt das nicht die individuelle Freiheit ein? Und warum nur die Männer? Ist doch gegen alle Gleichberechtigung. In Schulen und Jugendgruppen wird diskutiert um demokratische Teilhabe, um Freiheitsrechte und um Verantwortung für die Gemeinschaft, wenn die Sicherheit aller bedroht ist. Nicht wenige junge Leute sagen: „Ich bin hier in Deutschland gut groß geworden. Ich wäre bereit, zur Bundeswehr zu gehen.“ Andere schütteln den Kopf und wollen mit allem nichts zu tun haben. Wieder andere könnten sich einen zivilen Dienst vorstellen beim Roten Kreuz oder dem Technischen Hilfswerk.

Gewissensfreiheit und Verantwortung – mehr als eine Entscheidung über den Dienst

Die Frage nach dem Wehrdienst ist auch eine Gewissensfrage. Denn Soldatin und Soldat ist kein Beruf wie jeder andere. Im Ernstfall bedeutet es: Du musst bereit sein, dich töten zu lassen oder andere zu töten. Das Gewissen ist die innere Stimme, die hilft zu prüfen, was richtig und was falsch ist. Sein Gewissen zu befragten heißt: Ich prüfe meine Werte. Geht das für mich? Oder widerspricht es allem, was ich für gut und richtig halte?

Persönliche Wege: Warum Dario und Jojo unterschiedlich entscheiden

Dario hat sich für den Wehrdienst entschieden. Der Krieg gegen die Ukraine hat ihn dazu gebracht. Er sagt: „Für mich gab es innerlich immer eine grundsätzliche Bereitschaft, Teil der Bundeswehr zu werden. Die innere Bereitschaft ist für mich ein Zeichen, dass ich diese Arbeit mit meinem Gewissen vereinbaren kann.“ Jojo sieht es anders. Er begründet seine Verweigerung zum Wehrdienst mit der Erfahrung in der Familie. Sein Vater und viele Onkels sind in einem Bürgerkrieg umgekommen. Er sagt: „Krieg tötet und zerstört das Leben von Familien über Generationen. Ich kann da nicht mitmachen.“

Wehrpflicht und Gewissen: Was bedeutet „Ich“ in der Pflicht?

Im Wort „Wehrpflicht“ steckt das kleine Wort ICH. Das Ich hat zu entscheiden - in aller Freiheit. Es ist wichtig, sich selber ehrlich zu fragen: was ist der eigene Weg? Welche Werte sind mir wichtig? Was prägt mein Handeln? Die evangelische Kirche bietet für Kriegsdienstverweigerer eine Beratung an in Gewissenfragen. In der Militärseelsorge steht sie Soldaten und Soldatinnen zur Seite. Das ICH in dem Wort Pflicht zeigt die Freiheit und Verantwortung jedes Einzelnen - vor sich selbst und vor Gott.