hr1 ZUSPRUCH
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Wörsdörfer, Andreas

Eine Sendung von

Pastoralreferent, Katholische Pfarrei Dom St. Bartholomäus, Frankfurt am Main

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Eine lächelnde Frau steht mit verschränkten Händen vor ihrer Brust da. Sie trägt einen rosa Pullover und wirkt freundlich und positiv. Der Hintergrund zeigt unauffällige Möbel und natürliches Licht, was eine einladende Atmosphäre schafft.

Woran hängt das Herz?

Mein Sohn hat bald Geburtstag – sein 18ter. Ein ganz besonderer Tag natürlich, und ein besonderer Lebensabschnitt. Das will gefeiert werden, na klar. Und klar ist auch: da dürfen ganz besondere Geschenke nicht fehlen. Und eine Wunschliste gibt es da auch schon. Wunschlisten gibt es auch bei mir – in meinem Kopf. Etwas Neues für die Wohnung, die nächste größere Reise. Und dann kommen die kleinen alltäglichen Dinge dazwischen. Die Reparatur der Spülmaschine, neue Sommerreifen fürs Auto – die hatte ich ganz vergessen - und so weiter. Das heißt für die Wunschliste in meinem Kopf: Die eine oder andere Sache rutscht immer weiter nach hinten. Das ist ärgerlich und ich merke, dass mich das beschäftigt. Weil ich ja doch am liebsten alles hätte und möglich machen würde. Und ich werde unzufrieden. 

Wie wichtig sind Geld, Besitz, Macht?

Das sind Fragen, die sich die Superreichen in der Welt nicht stellen müssen. Aber zufrieden kommen mir Trump, Musk und Co. auch nicht vor. Auch sie, die doch eigentlich alles haben, wollen scheinbar immer mehr. Mehr Besitz, mehr Geld, aber auch mehr Macht. Aber sind Reichtum und Besitz alles? Ich muss da an einen Satz von Jesus denken: Er sagt: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“ (Lukas-Evangelium 9, 25). Reichtum und großer Besitz sind ja an sich nichts Schlechtes. Aber die Frage ist bei den Superreichen und auch bei mir: Wie gehe ich eigentlich mit Geld und Besitz um? Hänge ich mein Herz daran? Wo steigere ich mich in den Gedanken hinein, etwas besitzen zu wollen? Oder wo will ich vor anderen besonders gut dastehen? Meistens kosten mich diese Gedanken dann ganz schön viel Zeit und Kraft. Dann ist es gut, einen Stopp zu machen und mich zu fragen: Woran hängt gerade mein Herz? Und wie wäre es, wenn ich diese Sache lasse, oder diesen Wunsch oder die Gedanken, die mich in Beschlag nehmen? 

Das ein oder andere lassen, um freier zu werden

Hänge ich mein Herz allein an das, was ich will, was ich habe, oder was ich darstellen will? Ich glaube: Dann besteht tatsächlich die Gefahr, dass ich mich selbst verliere und dann Schaden nehme an meiner Seele. Mein Sohn hat übrigens zu mir gesagt: Papa, die Wunschliste ist lang, aber nur deshalb, damit Du Dir aussuchen kannst, was Du mir schenken willst. Alles muss ich nicht haben. Und ich für mich will ehrlich sein in der Fastenzeit. Ich will auf den Prüfstand stellen, woran mein Herz hängt. Und dann versuchen, das eine oder andere zu lassen und innerlich freier zu werden.