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Vonderau, Judith

Eine Sendung von

Katholische Autorin im Hessischen Rundfunk, Bad Orb

Ein großes, helles Feuer brennt am Ufer eines Sees bei Dämmerung. Die Flammen lodern hoch und erzeugen ein warmes Licht in der dunklen Umgebung. Im Hintergrund sind schemenhaft Bäume und Wasser zu erkennen.

Hutzelsonntag

Moderation: Heute ist Hutzelsonntag und an vielen Orten Hessens werden heute Abend die Hutzelfeuer entzündet. Judith Vonderau von der katholischen Kirche, was hat´s eigentlich damit auf sich?

Judith Vonderau: Die Hutzelfeuer sind ein vorchristlicher Brauch. Ursprünglich sollte damit der Winter ausgetrieben werden. Das kann man sich auch gut vorstellen, wenn man sieht, wie groß die Feuer sind.

Moderation: Das heißt, Hutzelfeuer sind gar kein christlicher Brauch?

Judith Vonderau: Richtig, die gibt´s schon viel länger. Die Hutzelfeuer haben sich einfach bis heute erhalten. Vielleicht auch, weil die Menschen da was drin gesehen haben, was sie behalten wollten, auch wenn der eigentliche Sinn dahinter verloren gegangen ist.

Moderation: Was genau meinst du damit?

Judith Vonderau: Feuer haben was Beruhigendes, was Heimeliges. Das Feuer knistert, es wärmt, es entsteht eine besondere Atmosphäre. Zusammen am Feuer zu stehen, schafft Gemeinschaft und Verbundenheit. Das ist das eine. Und: Bei den Hutzelfeuern ist es ja so, dass jedes Dorf sein eigenes hat. Die Feuer sind so groß, dass man sie von Weitem sehen kann. Wenn ich also in der Dunkelheit an einem Hutzelfeuer stehe, dann kann ich die umliegenden Feuer sehen und weiß: Um mich herum ist nicht einfach nur Dunkelheit. Da sind überall Menschen und ich bin nicht allein. Übertragen aufs Leben kann das heißen: Manchmal ist da viel Dunkelheit, aber davon brauche ich mich nicht abschrecken zu lassen. Denn es gibt immer auch Licht und ich bin nicht allein.