hr3 MOMENT MAL
hr3
Mosler, Stephanie

Eine Sendung von
Stephanie Mosler,
Katholische Rundfunkbeauftragte, Fulda

Blick auf den Himmel durch eine geometrische Struktur aus spiegelnden Flächen. Die verschiedenen Materialien reflektieren Licht und erzeugen ein faszinierendes Muster. Der Himmel zeigt sich in einem klaren, hellen Bereich zwischen den schrägen, lichtdurchlässigen Elementen.

Hoch hinaus und die Welt von oben sehen

Manchmal stecken wir ganz schön fest in unserer eigenen Sichtweise. Wir sehen nur noch, was uns nervt, was schiefläuft oder was andere angeblich falsch machen. Und genau dann kann ein Perspektivwechsel guttun, findet Steffi Mosler von der katholischen Kirche.

Moderation: Das Lullusfest hat begonnen, seit gestern steht Bad Hersfeld wieder Kopf und feiert seinen Stadtheiligen Bruder Loll, eigentlich hieß er Lull und war ein Schüler von Bonifatius. Ein besonderes Highlight in dieser Woche ist auch die Kirchturmbesteigung, im Volksmund „Lolls von oben“ genannt. Ein Perspektivwechsel der gut tut, sagt Steffi Mosler von der katholischen Kirche. 

Steffi Mosler: Die Perspektive mal wechseln ist doch fast immer eine sehr inspirierende Sache. Und ich gebe zu, obwohl ich Höhenangst habe und lieber mit den beiden Beinen fest auf der Erde stehe, reizt mich der Blick von oben, um so auf die Welt zu schauen. Das werde ich jetzt natürlich auch in Bad Hersfeld tun, sobald ich die 222 Stufen auf den Stadtkirchturm gemeistert habe, und dann bestimmt ein bisschen atemlos auf die Welt unter mir blicke. So ein Perspektivwechsel tut mir aber auch im übertragenen Sinne im Alltag sehr gut. Raus aus der eigenen Blase und den Blick wieder weiten.

Moderation: Wie stellst Du das an? Und woher nimmst Du 

Steffi Mosler: Aus der eigenen Blase rauszukommen, beginnt oft ganz simpel: mit Zuhören. Mit Menschen reden, die anders denken, ist gerade in unserer Gesellschaft gefragter und wichtiger denn je. Oder auch jemandem helfen, ohne etwas zurückzuerwarten. Oder, wenn uns jemand richtig auf die Nerven geht und wir denken: „Boah, was für ein Idiot!“ Ein Perspektivwechsel könnte heißen: Stopp – vielleicht hat diese Person gerade selbst einen richtig miesen Tag. Das entschuldigt nicht alles, aber es verändert meinen Blick. Genau darum geht es auch im christlichen Glauben. Jesus lädt uns immer wieder ein, nicht nur um uns selbst zu kreisen, sondern den anderen und auch Gott mit ins Blickfeld zu nehmen. Raus aus der eigenen Blase heißt also nicht, alles anders zu sehen. Sondern bereit zu sein, überhaupt noch etwas anderes zu sehen. Das verändert nicht sofort die Situation. Aber unseren Blick darauf. Und alleine das kann schon ziemlich viel verändern.