hr1 ZUSPRUCH
hr1
Vonderau, Judith

Eine Sendung von
Judith Vonderau,
Katholische Autorin beim Hessischen Rundfunk, Bad Orb

00:00
00:00
Ein Bouquet aus pechschwarzen Rosen in verschiedenen Rosa- und Pinktönen, umgeben von zarten, hellen Blumen. In der Mitte liegt ein Herz aus Holz mit floralen Mustern, das die romantische Stimmung unterstreicht.

Die Kraft der Liebe - Therese von Lisieux

Rosenblätter wirbeln durch die Luft. Ich stehe in einer Kirche, ganz vorne und habe gerade eine Fürbitte vorgelesen. Mit beiden Händen greife ich in die Schale vor mir und lasse die Blütenblätter durch den Kirchraum fliegen. Ein ungewöhnlicher Gottesdienst ist das und genau deshalb ist er mir in Erinnerung geblieben: ein Gottesdienst zu Ehren von Therese von Lisieux.

Eine Heilige, die auf den ersten Blick nichts getan hat und damit doch heilig geworden ist. Das macht mich neugierig. Sind Heilige nicht Menschen, die besonders viel getan haben? Vor allem besonders viel Gutes?

Therese von Lisieux: Eine Heilige, die mit kleinen Dingen Großes zeigt

Therese ist da anders. Sie ist eine Heilige, die mein Bild von Heiligkeit geraderückt und erdet. Therese lebte im 19. Jahrhundert in Frankreich und war Ordensschwester in einem Kloster, dem Karmel. Schon als Jugendliche will sie unbedingt ins Kloster eintreten. Dafür ist sie offiziell noch zu jung, doch es ist ihr ist so ernst damit, dass sie sogar den Papst persönlich um Erlaubnis bittet. Mit 15 Jahren schafft sie es endlich und lebt nun im Karmel.

Krankheit und Hindernisse und ihr ungewöhnlicher Weg ins Kloster

Therese ist glücklich. Das Kloster ist genau der richtige Ort für sie. Allerdings ist sie oft krank und kann nicht am Klosterleben teilnehmen. So hat sie sich ihr Leben nicht vorgestellt: im Bett liegen und nichts tun zu können. Immer wieder durchkreuzen Krankheiten ihre Pläne. Immer wieder werden die Krankheitsphasen zu Hindernissen auf ihrem Weg. Doch Therese schafft etwas Bewundernswertes: Sie kann ihr Schicksal annehmen, mehr noch: Sie kann die vermeintlichen Hindernisse als etwas Sinnvolles in ihr Leben integrieren. 

Kleine Dinge mit großer Liebe tun

Denn sie stellt fest: Auch wenn ich nichts mehr kann, alles langsam oder gar nicht mehr geht, dann kann ich noch eins: Ich kann alles, was ich tue, mit Liebe tun. Jede kleine Handlung im Alltag kann ich mit Liebe tun und aus Liebe zu meinen Mitmenschen. Selbst wenn ich so krank bin, dass ich nur noch im Bett liegen kann, dann kann ich den Menschen, die mich pflegen mit Liebe, mit einem Lächeln und einem guten Wort begegnen.

Heilig sein bedeutet nicht, Großes zu leisten

Diese Erkenntnis gibt Therese Kraft. Sie hat erkannt: Es müssen gar nicht immer große Taten sein. Ein gutes Leben führe ich auch dann, wenn ich die kleinen, ganz alltäglichen Dinge tue. Nur mit einem Unterschied: wenn ich sie mit Liebe tue. Das Gewöhnliche in außergewöhnlicher Weise tun - das war ihr Weg durchs Leben. 

Die kleinen Dinge mit großer Liebe tun – vielleicht auch etwas, das ich heute ausprobieren möchte?