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Vogt, Dr. Fabian

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Frankfurt

Zwei Hände halten eine kleine, brennende Kerze, deren warmes Licht sanft strahlt. Die Hände scheinen Schutz und Geborgenheit zu bieten, während die Kerze im Mittelpunkt steht und eine Atmosphäre der Ruhe und Besinnlichkeit vermittelt.

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Moderator/in:  Heute wehen an vielen öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf Halbmast – als stilles Zeichen für die Opfer des Nationalsozialismus. Diesen bundesweiten Gedenktag gibt es seit 30 Jahren. Er erinnert an den 27. Januar 1945, als die Rote Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit hat. Darum ist der 27. Januar heute auch der Gedenktag für die Opfer des Holocaust. Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche: Hilft so ein Gedenktag, dass wir nicht vergessen, was damals passiert ist?

Fabian Vogt: Das hoffe ich sehr. Nicht nur, damit wir uns daran erinnern, wie schnell die Nationalsozialisten damals ganze Bevölkerungsgruppen zu Feinden erklärt haben: „Du bist Jude, du bist Sinti oder Roma, du bist Sozialist, du bist homosexuell, du hast eine Beeinträchtigung – also kommst du in ein Konzentrationslager.“ Und diese Lager waren ja noch viel grausamer als ein Gefängnis. Genauso wichtig ist aber, dass wir uns klar machen: Dahinter steckt ein simples, aber unglaublich widerwärtiges Denkmuster, nämlich: „Ich bin wichtiger als andere.“ Das heißt: „Ich habe mehr Recht zu leben als du.“ Und das Erschreckende ist: So ein Gefühl kann sich immer wieder und überall einschleichen. Dieses Gefühl: „Es gibt Leute, die sind wichtiger als andere.“

Moderator/in: Und was kann man dagegen machen?

Fabian Vogt: Na, der christliche Glaube setzt so einem menschenverachtenden Zweiklassen-Denken deutlich was entgegen. Für Christen ist klar: Gott liebt alle Menschen. Er liebt nicht die eine mehr und den anderen weniger. Die Bibel sagt es so: „Weil Gott uns so liebt, darum sollen wir uns auch gegenseitig lieben.“ (1. Johannesbrief 4,11) Der heutige Gedenktag lädt deshalb ein, die Kraft der Nächstenliebe neu zu entdecken.