Fasching und Freiheit
Heute gilt es nochmal. Alle Närrinnen und Narren mobilisieren die letzten Kräfte und feiern Fasching. Doch auch wer mit der gesamten 5. Jahreszeit nicht so richtig warm wird, kann aus dem Eifer und der Feierfreude einiges für sich mit-nehmen, sagt Autorin Judith Vonderau.
Moderation: Heute darf nochmal so richtig gefeiert werden. Heute ist Faschings-dienstag und damit der letzte Tag der fünften Jahreszeit. Jetzt ist ja Fasching nicht für jeden was. Judith Vonderau von der katholischen Kirche, du sagst, dass trotzdem alle was daraus mitnehmen können:
Judith Vonderau: Ja, das stimmt. Heute ist sozusagen das Finale einer bunten und sehr lauten Zeit, aber ich denke es geht jetzt gar nicht um das, was viele Leute an Fasching nicht mögen. Zum Beispiel die Lautstärke, die vielen Veranstaltungen, dass so viel Alkohol getrunken wird oder auch der spezielle Humor, der einfach nicht für jeden was ist.
Moderation: Worum geht’s denn dann?
Judith Vonderau: An Fasching darf die Welt auf den Kopf gestellt werden. Die Ob-rigkeit wird hinterfragt und auch verspottet. Es darf kritisiert werden, man darf Dinge sagen, die man sonst nicht aussprechen würde. An den vielen Motivwagen bei den Umzügen sieht man das sehr gut. Es ist also eine Zeit, in der mehr Freiheit möglich ist und die Menschen nehmen sich auch genau diese Freiheit gerade raus.
Moderation: Und was kann ich daraus mitnehmen, wenn ich Fasching gar nicht mag?
Judith Vonderau: Ich muss Fasching nicht mitfeiern, aber ich kann schauen, wo ich bei mir gerne mal die Welt auf den Kopf stellen möchte. Also, wo ich mir mehr Freiheit für mich wünsche, wo ich was anders machen will als sonst. Das kann was Kleines sein, was man vielleicht nicht mal sehen kann. Also zum Beispiel mit welcher Haltung ich durch den Tag gehe oder wo ich einfach mal was anders machen möchte als sonst. Und das dann auch versuchen, umzusetzen – nicht nur in der Faschingszeit, sondern jeden Tag.