hr4 ÜBRIGENS
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Zschörnig, Jan Michel

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer, Kassel

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Im Paradies riecht es nach Frittierfett

Zugegeben: Gemütlich ist es eigentlich nicht. Der Tisch klebt. Das Neonlicht summt. Und in der Luft riecht es nach Frittierfett. Und trotzdem gibt sie mir einen kleinen Vorgeschmack aufs Paradies: meine Lieblingspommesbude in Kassel. 

Plauderei am Stehtisch der Pommesbude

Vor mir steht ein Mann im feinen Anzug. „Hab’s dir schon vorbereitet“, sagt die Frau hinter der Theke und reicht ihm einen Teller mit Schnitzel und Pommes. „Du bist die Beste“, antwortet er, stellt sich an den Stehtisch. „Und? Wie war dein Tag?“ Die beiden plaudern als würden sie sich schon ewig kennen. 

Einsamkeit trifft Gemeinschaft: Currywurst, Pommes und Zugehörigkeit

Kurz darauf kommt eine ältere Frau dazu. Zottelige Haare, ausgewaschene Jacke. „Wie immer?“ Die Frau nickt und bekommt einen Pappteller in die Hand gedrückt: Currywurst mit Pommes. Wie selbstverständlich stellt sie sich mit an den Tisch, tunkt ihre Pommes in die Soße. Auf mich wirkt sie ein bisschen einsam. Aber hier gehört sie dazu. Mit allem, was sie gerade mitbringt. 

Das Paradies: Ein Fest am Tisch für alle 

In der Bibel wird das Paradies einmal als großes Fest beschrieben, einem Tisch für alle. Für Menschen aus allen Himmelsrichtungen, mit allem, was sie mitbringen. Mich erinnert das an diese Pommesbude. An einen Ort, an dem alle Platz haben. Egal, ob jemand im Anzug kommt oder mit einem schweren Tag im Gepäck. 

Ein Ort an dem jeder seinen Platz findet

So jedenfalls stelle ich mir das Paradies vor, das Gott für uns bereithält: Als einen Ort, an dem keiner komisch angeschaut wird. An dem niemand erklären muss, warum er da ist. Als einen Tisch, an dem alle Platz finden. Hier auf Erden an dieser Pommesbude bekomme ich schon eine Vorstellung davon: Und dafür nehme ich sogar in Kauf, dass der Tisch ein bisschen klebt. Hauptsache, alle finden Platz daran.