Vielfalt ist schön!
Heute muss ich mal wieder an Irenäus von Lyon, einen Gelehrten aus dem 2. Jahrhundert, denken. Heute ist nämlich der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit, abgekürzt IDAHOBIT.
Nur auf den ersten Blick hat das nichts miteinander zu tun. Es liegen zwar über 1800 Jahre zwischen dem Gelehrten und heute. Und doch bringt er für mich auf den Punkt, um was an so einem Tag wie heute geht:
Vielfalt der Schöpfung: Die Zither als Bild für Diversität
Irenäus hat im 2. Jahrhundert viel über Gott als Schöpfer der Welt nachgedacht. Dabei hat er ein wunderschönes Bild benutzt. Er schreibt: Die Welt ist wie der Klang einer Zither. Viele Saiten, viele Töne – und erst in ihrer Verschiedenheit entsteht Musik. Wären alle Saiten gleich, gäbe es keine Melodie.
Gottes Kreativität und Vielfalt als Stärke
Für ihn war klar: Die Vielfalt der Schöpfung ist kein Problem, sondern ein Hinweis auf Gottes Kreativität. Unterschiedlichkeit ist gewollt. Ja, mehr noch: Sie macht die Schöpfung erst vollkommen.
Und genau daran erinnert auch der „International Day Against Homophobia, Biphobia and Transphobia“ (IDAHOBIT) jedes Jahr am 17. Mai. Seit dem 17. Mai 1990 gilt Homosexualität offiziell nicht mehr als Krankheit. Eine Entscheidung, die längst überfällig war – und doch bis heute nicht überall angekommen ist. Noch immer werden viele Menschen abgelehnt, diskriminiert oder sogar verfolgt, einfach weil sie sind, wie sie sind.
Christlicher Glaube, sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität
Dabei sollte es eigentlich besonders für Christinnen und Christen logisch sein: Wenn jeder Mensch Ebenbild Gottes ist, dann gehört auch seine sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität untrennbar zu ihm. Sie ist keine Störung, keine Ideologie – sondern Teil dieser großen, vielstimmigen Melodie.
Fortschritte und offene Wunden: Ehe für alle, Sichtbarkeit und Widerstand
Ja, es hat Fortschritte gegeben. Die Ehe für alle, rechtliche Anerkennung, mehr Sichtbarkeit. Aber gleichzeitig gibt es immer noch Orte, an denen Vielfalt nicht gefeiert, sondern bestraft wird. Orte, an denen Menschen ihre Identität verstecken müssen, um sicher zu sein. Und ehrlich gesagt: Auch in meiner eigenen Kirche wird immer noch diskutiert, gezweifelt, abgegrenzt.
Unterschiedlichkeit ist Musik: Ein aktueller Impuls von Irenäus
Vielleicht lohnt es sich, noch einmal auf Irenäus zu hören. Sein Bild von der Zither klingt überraschend modern. Sie sagt: Unterschiedlichkeit ist kein Makel. Sie ist Musik.
Als Christin lebe ich jeden Tag meinen Glauben. Ich glaube: Gott hat die Welt sehr gut geschaffen in all ihrer Vielfalt – schließlich steht das in der Bibel in der Schöpfungserzählung (Genesis/ 1. Mose 1,31). Und ich glaube: Jeder Mensch hat eine unverletzliche Würde – egal, welche sexuelle Orientierung er oder sie hat oder ob sich jemand gar nicht als Mann oder Frau fühlt. Ich behandle also alle Menschen mit Respekt, weil ich in ihnen ein Geschöpf und Ebenbild Gottes sehe.