hr2 ZUSPRUCH
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Maschke, Andrea

Eine Sendung von
Andrea Maschke,
Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

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Eine lächelnde ältere Frau steht an einem Fenster und empfängt eine jüngere Frau, die einen großen Korb hält. Die ältere Dame trägt einen pinken Pullover und scheint erfreut über den Besuch zu sein.

„Sie sind ungewöhnlich!“ sagt Frau Hansen

Ich stutze, als ich den Namen Rosemarie Hansen an der Zimmertür lese. Wie so oft bin ich in einem der Altenheime unterwegs, in denen ich als Seelsorgerin arbeite. Beim Gang über die Wohnbereiche fällt mein Blick auf die Namen an den Türschildern. Bei Frau Hansen muss ich zweimal hinsehen, Vor- und Nachname stimmen, das muss sie sein: die ältere Dame, die ich doch schon so lange kenne aus der Zeit als sie noch in ihrer eigenen kleinen Wohnung gewohnt hat.

Ein Briefwechsel in der Corona-Zeit

Damals während Corona haben wir sogar einen engagierten Briefwechsel begonnen. Anschließend hatte ich sie ab und zu besucht. Sie hat mir viel aus ihrem Leben erzählt und wir haben sogar über theologische Fragen gesprochen. In letzter Zeit aber war dann zu viel anderes los, da hatten wir weniger Kontakt.

Wer steht es heute um Frau Hansen?

Und jetzt hat sie also ein Zimmer hier, im Pflegeheim. Was ist passiert, ein Sturz, eine chronische Krankheit? Ich klopfe und sie fragt von Innen, wer denn da sei. Ich nenne meinen Namen. Sie öffnet, bittet mich herein, ich darf mich setzen. Ein Blick ins Zimmer zeigt, dass sie wohl länger hier bleiben wird, ihr alter Sekretär mit den Büchern ist mit umgezogen. Und dann fragt sie: „Und wer sind Sie?“ Ich nenne wieder meinen Namen. „Frau Maschke, das ist schön, dass Sie mal kommen. Ich habe Sie persönlich ja noch nie gesehen, aber ich kenne ein paar Ihrer Predigten. Ich muss sagen, mir gefällt Ihre Theologie.“ Ok, sie erinnert sich nicht mehr an mich, aber verbindet mich mit Kirche. Vorsichtig sage ich, dass ich sie doch in ihrer alten Wohnung schon mal besucht habe. Sie antwortet: „Oh, das weiß ich nicht mehr, das muss ja schon sehr lange her sein.“ Ich erwähne noch ein Buch, von dem sie mal sehr begeistert gesprochen hat und sie sagt: „Kann sein, dass ich das irgendwo habe, gelesen habe ich es sicher nicht.“

Eine ungewöhnliche Begegnung

Wir sprechen weiter miteinander. Ich höre zu. Sie erzählt aus ihrem Leben. Recht zufrieden schaut sie auf ihr Berufsleben, auf ihre Ehe, auch auf schwierige Situationen. Dann sagt sie: „Frau Maschke, Sie sind eine ungewöhnliche Frau.“ Was sie mir wohl damit sagen will? Wie sie das ausspricht klingt das so wie „nicht ganz normal“. Sie bemerkt meinen fragenden Blick und fügt hinzu: „Ich bin auch ungewöhnlich. Und ungewöhnlich und ungewöhnlich, das passt doch gut.“

Freude auf den nächsten Besuch

Ich atme auf und frage, ob ich wieder kommen dürfte, und sie lacht mich an: „Unbedingt“. Ich werde Frau Hansen also bald wieder besuchen, vielleicht fragt sie dann wieder, wer ich sei. Aber ich weiß jetzt schon, es wird ein Besuch, an dem wir beide unsere Freude haben.