Muttertag
Heute ist ein besonderer Tag in vielen Familien und die Vorbereitungen dafür haben schon vor einer Weile begonnen. Zum Beispiel in den Supermärkten: Kaum haben die Osterhasen die Regale verlassen, ziehen wieder die Herzen und Blumensträuße ein und mir ist auch schon das eine oder andere Banner begegnet: Bald ist Muttertag.
Der Einzelhandel hat viele Ideen, wie man diesen Tag begehen und markieren könnte: mit Blumen, mit Schokolade, mit Karten. Und klar, der Tag ist total anschlussfähig. Eine Mutter hat schließlich jeder und jede.
So war der Muttertag in meiner Kindheit
Und wenn auch das Verhältnis zu den eigenen Eltern sich immer wieder verändert und nicht immer ungetrübt ist: viele haben gute Erinnerungen an die eigene Mutter und die eigene Kindheit.
Ich erinnere mich auch noch gut, wie wir unter Anleitung meines Vaters morgens extra früh aufgestanden sind und Frühstück gemacht haben, wie ich Blumen gepflückt und den Tisch besonders schön gedeckt habe. Meistens musste ich mir damals über ein Geschenk keine Sorgen machen, das wurde ja im Kindergarten oder in der Grundschule gebastelt.
Das war ein Unterschied zum Geburtstag meiner Mutter, aber sonst war der Muttertag gar nicht so anders. Und nachmittags ging es dann oft noch zur Oma, denn die war ja auch eine Mutter. Ein schöner Tag, ein friedlicher und fröhlicher Tag.
Nicht nur am Muttertag dankbar sein
Mein Vater hat aber auch damals schon gewitzelt, wir sollten uns nicht so sehr auf diesem einen Tag ausruhen, es würde der Mama mehr helfen, wenn wir jeden Sonntag den Tisch decken würden, als dass sie heute einen mit mittlerem Erfolg gehäkelten Topflappen bekommt. Und ich finde, er hatte nicht Unrecht.
Es spricht nichts gegen selbstgebastelte Geschenke und einen schön gedeckten Tisch. Der Muttertag ist ein toller Anlass, mit Müttern und Großmüttern einen schönen Tag zu verbringen. Aber es geht noch um etwas mehr. Wir sagen danke für ihren Einsatz, ja für ihre Hingabe für die Familie.
Denn im Alltag wird ja einiges erwartet von den Müttern und oft bleibt der Einsatz unbemerkt und unbedankt, er ist scheinbar selbstverständlich. Wenn etwas nicht perfekt läuft, wird es viel schneller bemerkt und manchmal auch noch mit dem Kopf geschüttelt. „Früher waren die Kinder aber besser erzogen“. „Das haben wir uns früher nicht getraut“, solche Sätze hab ich schon öfter gehört.
Da tut es bestimmt gut, wenn es an einem Tag eine besondere Wertschätzung gibt. Noch schöner ist es aber, wenn die Mütter (und auch die Väter) sie auch manchmal unter dem Jahr spüren können.
(Musik)
Muttertag kann auch ein trauriger Tag sein
Aber nicht alle können sich am Muttertag wirklich freuen. Schon die Zeit davor, in der einem die Werbung für Blumen und Schokolade überall entgegenspringt, kann sich richtig unangenehm anfühlen. Denn längst nicht alle können heute mit ihren Müttern feiern.
Weil die Beziehung schwierig oder ganz zerbrochen ist. Oder weil der einzige Ort, zu dem sie heute einen Blumenstrauß bringen könnten, das Grab ihrer Mutter und Großmütter ist. Andere trauern um verlorene und verstorbene Kinder oder die Chance, überhaupt je Mutter oder auch Vater zu werden. Wieder andere hadern bei aller Zuneigung zu ihren Kindern mit den Herausforderungen, die das Mutter- und Elternsein mit sich bringt.
Maria, die Mutter Jesu
Ich muss heute am Muttertag auch immer an eine berühmte Mutter, vielleicht die berühmteste Mutter denken, an Maria, die Mutter von Jesus. Mit Idylle hatte ihr Familienleben oft wenig zu tun. Eine überraschende Schwangerschaft vor der Ehe, ein Verlobter, der überlegt, ob die werdende Mutter ohne ihn nicht besser dran ist, eine Geburt im Viehstall und ziemlich bald danach Flucht und Vertreibung in ein anderes Land.
Und später hat das erwachsene Kind umstürzlerische Ideen und wird als Verbrecher hingerichtet. Die Geschichte nimmt zwar ein gutes Ende – Auferstehung am dritten Tag und seine Botschaft wird weitergetragen –, aber Sorgen, Angst und sicher auch Verzweiflung bleiben ihr, der Mutter Gottes, nicht erspart.
Die sogenannte Heilige Familie ist also vor allem eins: eine Familie mitten in unserer Welt, die viele Schwierigkeiten und Schicksalsschläge erlebt. Auch heute, 2000 Jahre später, gibt es Familien mit ähnlichen Problemen.
Mütter haben Mut und Vertrauen Kinder großzuziehen
Aber nicht nur die Herausforderungen sind ähnlich, auch der Anfang von Marias Weg als Mutter hat eine große Gemeinsamkeit mit vielen werdenden Müttern und Eltern: sie sagt am Anfang erstmal ja. Ja zu ihrem Kind.
Sie weiß nicht genau, was sie alles erwartet, aber vielleicht denkt sie sich: Man wächst mit seinen Aufgaben. Und ich bin ja nicht allein. Ich habe Menschen um mich herum und Gott, der einen Plan für mich hat. Ich nehme dieses Kind an, als Herausforderung – und als Geschenk.
Ich habe keine Kinder, aber ich stelle mir vor, dass es vielen werdenden Eltern so geht. Erstmal muss man ja sagen zum Kind, zu dieser großen Veränderung im Leben, zu der Verantwortung für einen anderen Menschen. Ohne zu wissen, was alles noch kommt.
Am Anfang stehen Mut und ein Vertrauensvorschuss. Vertrauen in die Zukunft, ins soziale Netz, in die eigenen Fähigkeiten, bei manchen auch Vertrauen in Gott, der den Weg mitgeht.
(Musik)
Öfter den Hut ziehen
Für mich geht es am Muttertag um Anerkennung und Respekt. Respekt vor allen, die den Mut hatten, ja zu sagen und Verantwortung zu übernehmen für ein Kind. Die in ihrem Leben andere beim Aufwachsen begleiten. Und wie schade wäre es, wenn dieser Respekt auf den einen Tag begrenzt bliebe.
Vielleicht können wir öfter mal den Hut ziehen vor denen, die Kinder aufziehen und erziehen, die ihnen ein Zuhause geben und auf dem Weg ins Leben helfen. Die Schlaf und freie Tage opfern, die Finanzen und Betreuungszeiten jonglieren, damit alle bekommen, was sie brauchen. Die eine Wohnung suchen, die groß genug ist, die man aber noch bezahlen kann.
Die Entscheidungen treffen und so Weichen stellen für Bildung und Ausbildung. Die Kindern und Jugendlichen Werte vermitteln und ihre Begabungen fördern. Seien das nun leibliche Mütter oder die erweiterte Familie, Frauen und natürlich auch Männer, die sich kümmern und ihre Zeit und ihr Herz einsetzen, damit junge Menschen gut aufwachsen können.
Muttertag als Tag der Freude und Solidarität
Ich finde den Gedanken schön, dass der Muttertag ein Tag des weiten Herzens sein kann. Ein Tag der Freude mit den Familien, die ihn feiern können und für die er wunderschön wird. Ein Tag der Anerkennung für alle, die Menschen mütterlich begleiten. Aber auch ein Tag der behutsamen Solidarität mit denen, für die er nicht leicht ist.
Und noch etwas fände ich schön: wenn der Tag Strahlkraft bekommt für die übrigen 364 Tage des Jahres. Mütter, Eltern haben immer Anerkennung verdient, nicht nur einmal im Jahr. Ich möchte darauf auch in meinem Alltag nochmal anders achten.
Dankbarkeit an jedem Tag zeigen
Und noch auf eine zweite Art kann ich heute meinen Blick weiten: Zuwendung, Bestärkung und auch konstruktive Kritik bekomme ich ja nicht nur von meiner Mutter. Noch so viel mehr Menschen begleiten mich auf meinem Lebensweg, manchmal nur ein Stück, manchmal über viele Jahre.
Mir fällt noch die eine oder andere Mutter- oder Großmutterfigur in meinem Leben ein, der ich ebenfalls sehr dankbar bin. Vielleicht ist der Muttertag nicht unbedingt der richtige Tag, um diese Dankbarkeit zu zeigen, aber es gibt ja noch 364 andere Tage, an denen ich jemandem sagen oder schreiben kann: Danke, dass du für mich da bist! Danke, dass du mich durch eine schwere Zeit begleitet hast. Danke, dass du mir Rat gibst, wenn ich nicht weiterweiß. Danke, dass du mich magst. Ich mag dich auch.