hr1 ZUSPRUCH
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Ein lächelnder Mann mit mittellangen, blonden Haaren und einer Brille steht in einem hellen, neutralen Hintergrund. Er trägt ein graugrünliches Hemd und sieht freundlich aus.

Eine Sendung von

Pastoralreferent Kath. Kirchengemeinde St. Peter und Paul, Höhr-Grenzhausen

Bildquelle: Pixabay

Der Nachbar mit dem Quad

Mir gings diese Woche wie vielen: Ich habe aus dem Fenster geguckt und gedacht: Ach du ahnst es nicht, was für Schneemassen! Wie soll der Tag heute bitte funktionieren? Wie soll ich da heute zu meinen Terminen kommen? 

Der Nachbar mit dem Quad hilft ungefragt

Aber dann sehe ich da draußen etwas, was meine Laune schlagartig verbessert: Ich sehe meinen Nachbarn aus der Einfahrt kommen – auf seinem Quad. Mit dem Gefährt schiebt er den Schnee beiseite. Nicht nur in seiner Einfahrt. Sondern auch bei allen Nachbarn – die gesamte Straße. So hat er das schon öfter in diesem Winter gemacht hat.

Jedes Mal, wenn wir eingeschneit sind, steht er parat. Ohne viel Worte - und schiebt die Straße frei, damit man wieder rauskommt. Zur Arbeit. Zum Arzt. Oder einfach sicher aus der Straße.

Was mich daran beeindruckt, ist nicht das Quad, sondern die Selbstverständlichkeit. Er fragt nicht, ob das seine Aufgabe ist. Er wartet nicht, bis jemand bittet. Er sieht, dass Hilfe gebraucht wird und handelt.

Ein einzelner Mensch kann viel bewirken

Das Schneechaos diese Woche hat mir wieder gezeigt, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind und wie viel ein einzelner Mensch bewegen kann.

Hilfsbereitschaft: die habe ich in dieser Woche öfter erlebt. Praktisch. Unaufgeregt. Durch meinen Nachbarn, der den Weg freischiebt. Einen anderen, der mir einen Platz zum Mitfahren anbietet. Oder wieder einen anderen, der schreibt: „Meld dich, wenn du was brauchst.“

Solche Tage machen mich nachdenklich. Gemeinschaft entsteht für mich nicht dann,
wenn alles reibungslos läuft. Sondern genau dann, wenn jemand anfängt, Platz zu schaffen – für andere.

Ein offener Blick hilft allen weiter

Der Winter mit seiner Schnee-Performance wird vorbeigehen. Aber das Gefühl, nicht allein zu sein, das nehme ich mit. Und ich frage mich, wo ich selbst im Alltag
ein Stück Platz schaffen kann – für mich, aber gerade auch für andere. Ganz leise.
Ganz selbstverständlich.

Manchmal braucht es dafür kein Quad, sondern einfach nur einen offenen Blick.