hr2 ZUSPRUCH
hr2
Dörken-Kucharz, Dr. Thomas

Eine Sendung von
Dr. Thomas Dörken-Kucharz,
Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

00:00
00:00
Das Bild zeigt den Kopf eines Schafs mit schwarz-weißer Fellzeichnung. Das Schaf hat große, aufgerichtete Ohren und einen neugierigen Blick. Im Hintergrund sieht man grünes Gras, was auf eine ländliche Umgebung hindeutet.

Shaun das Schaf trifft Psalm 23

Streckenweise liest sich die Bibel fast wie ein Handbuch für Schafzüchter. Jedenfalls hat man es dauernd mit Schafen zu tun. Abraham, Isaak und Jakob waren Viehzüchter und Vieh hieß damals Ziegen und Schafe. Auch König David war zunächst Schafhirte. Und was hüten die Hirten in der Weihnachtsgeschichte? Natürlich Schafe! In den Erzählungen der Bibel werden die Schafe und ihre Hüter zu jüdischen und christlichen Symbolen. Im vielleicht schönsten aller Psalmen ist das zu dem Bild von Gott als Hirten verdichtet:
„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.“ Wenn man einen Text neben dem „Vater unser“ auswendig kennen sollte, dann ist es dieser Psalm 23. Mit ihm kann man leben und sterben. Das kann man nicht mit vielen Texten.

Psalm 23 – Bibeltext, mit dem man leben und sterben kann

Im Neuen Testament wird Jesus zum guten Hirten, der sein Leben lässt für seine Schafe. „Ich bin der gute Hirte“, sagt er. Und seine Herde ist seine Gemeinde. Christinnen und Christen sind seine Schafe. Mein Problem: Ich bin nicht gerne Schaf. Schafe sind dumm, denke ich, Schafe sind langweilig. Man zählt sie, um einzuschlafen. Da will ich kein Schaf sein! Und erst recht in der Gemeinde nur schlucken, was die Hirten da oben sagen. Ich will kein Stimmvieh sein.

Warum das Hirten-Schaf-Bild sperrig und undemokratisch bleibt

Dabei bin ich Pastor, das heißt Hirte. Doch auch als Pfarrer passt mir das Bild nicht. Denn das Hirte-Schaf-Bild ist undemokratisch. Ihm fehlt Augenhöhe. Schafe führen kein selbstbestimmtes Leben. Sie folgen und werden gescheucht. Sie dürfen nicht tun, was sie wollen. Die neuere Forschung zu Schafen widerspricht mir. Schafe sind nicht dumm, sondern ziemlich intelligent. Sie können sich Gesichter merken und wissen, was ihnen guttut. „Flauschige Intelligenzbestien“ nennt man sie. Das kann ich im Kopf verstehen, aber noch nicht fühlen.

Schafe sind gar nicht dumm – Forschung überrascht

Da fällt mir eigentlich nur ein Schaf ein, das dem nahekommt. Es ist ein fiktives Schaf, ich meine „Shaun das Schaf“, zu sehen zum Beispiel in der „Sendung mit der Maus“. Endlich ein Schaf, das nicht blöd ist, das Fantasie hat, das ausbricht und etwas anderes erleben will. Shaun stiftet an, spielt Streiche, macht jeden Tag zum Abenteuer und bringt mich zum Lachen. Shaun ist ein widerständiges Schaf. Wenn der gute Hirte der Bibel solche Schafe gebrauchen kann, bin ich auch gern Schaf.