hr4 ÜBRIGENS
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Brüning, Dr. Barbara

Eine Sendung von

Katholische Journalistin, Autorin und Systemische Familienberaterin, Frankfurt

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Menschen in einer Reihe

Werde Mensch!

Heute feiern Christinnen und Christen auf der ganzen Welt, dass Gott Mensch geworden ist. Von Bischof Franz Kamphaus ist der Satz überliefert: „Mach’s wie Gott: Werde Mensch!“ 

Was ist daran erstrebenswert, Mensch zu werden?

Aber ich frage mich immer wieder: Was ist daran erstrebenswert, Mensch zu werden? Ich erinnere mich, dass wir als Teenager noch während der Schulzeit heftig darüber diskutiert haben: Muss man sich nicht eigentlich schämen ein Mensch zu sein? Angesichts all der Grausamkeiten, die Menschen einander antun? Oder kann man stolz darauf sein? Weil es Menschen gibt, die ihr Leben für andere geben. Weil sie sich in einem positiven Sinne für eine gute Sache aufopfern. 

Menschen können gut sein - aber auch grausam

Dann denke ich: Es war ganz schön mutig von Gott, sich in die Hände der Menschen zu begeben. Menschen können gut sein. Aber sie haben die Fähigkeit Waffen zu bauen. Und ich höre immer wieder, wie sie ihre Macht nutzen andere zu unterwerfen und zu töten. 

Tun sie das nicht, obwohl es der leichtere Weg wäre, dann berührt mich das. 

Wieso kam er als Mensch, nicht als Gott, auf die Erde?

Und wenn ich dann denke: Es wäre doch klüger gewesen, wenn Gott einfach als Gott auf die Erde gekommen wäre. Er hätte als guter und liebender Gott viel mehr Menschen helfen können. Er hätte dem Guten zum Sieg verholfen. 

Dann hätten wir nicht die Wahl zwischen gut und böse

Aber dann verstehe ich: Niemand könnte mehr wählen, gut oder böse zu sein. Es würde kein Gutes geben, das uns im Herzen berührt, weil es aus freien Stücken geschieht. Obwohl es nicht der leichte Weg ist. 

Machs wie Gott, werde Mensch heißt für mich: Werde fähig, deine Waffen und deine Stärke abzugeben. Werde fähig zu lieben. Und entscheide dich dafür. Aus freien Stücken. Das ist wahre Stärke.