hr2 ZUSPRUCH
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Hirt, Beate

Eine Sendung von

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt

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Dunkle Wolken

Verständnis für den Bösewicht

Er ist der Bösewicht in der Geschichte von den heiligen drei Königen, die heute, am 6. Januar, erzählt wird: der König Herodes. Die Bibel sagt von ihm: Er war König in Jerusalem, als die Sterndeuter aus dem Osten kamen, um nach dem neugeborenen König zu fragen. „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“, erklären sie dem König Herodes. Als der das hört, so erzählt die Bibel, „erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.“

Ein heimtückischer Plan

Herodes lässt die klugen Leute seines Landes zusammentrommeln, um mehr über diesen neuen König zu erfahren. Und er spinnt einen heimtückischen Plan: Den Sterndeutern aus dem Osten, die wir heute drei Könige nennen, sagt er: „Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige!“

Huldigen war natürlich überhaupt nicht das, was der böse König Herodes im Sinn hatte. Er wollte den kindlichen Konkurrenten aus dem Weg räumen. Und als die Sterndeuter nicht zurückkamen zu ihm mit der Information, wo dieser neue König zu finden wäre, da lässt er Grausames anordnen: Alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren in der Umgebung lässt er töten. (vgl. Matthäus-Evangelium 2,1-12)

Ein bisschen Verständnis

Er ist ganz sicher ein Bösewicht, dieser König Herodes. Und doch hat eine Freundin vor kurzem erzählt: Bei einer Bibelarbeit kam – zum Erstaunen aller - ein klein bisschen Verständnis auf für diesen Herodes. „Er wird ja deswegen so aggressiv“, sagt die Freundin, „weil seine Lebenspläne durchkreuzt werden“. 

Und es stimmt: Eben noch war dieser Herodes der unumstrittene Herrscher. Sein bequemer Palast, seine Macht, sein wohlgeordnetes Leben als König: Er dachte, die sind ihm ewig sicher. Und dann kommt da plötzlich jemand und sagt: Es gibt vielleicht noch einen anderen, der König im Land sein könnte. Vielleicht musst du deine Lebenspläne ändern, vielleicht musst du aus deinem bisherigen Leben ausziehen. Macht abgeben. Dich neu sortieren.

Ich erwische mich dabei, dass ich denke: Ja, das fänd ich auch schwierig. Gut, ich würde deswegen nicht zur Mörderin. Aber ich merke schon: Manchmal fällt es mir sogar im Kleinen schwer zu akzeptieren, wenn meine Pläne durchkreuzt werden. Wenn Dinge, die ich für sicher hielt, in Frage gestellt werden. Oder nicht so funktionieren, wie ich mag.

Neue Horizonte durch durchkreuzte Pläne

Ich finde, das könnte auch eine Botschaft am Dreikönigstag sein: Ich will nicht zum Bösewicht werden, wenn mein Leben nicht so läuft, wie ich das gerne möchte. 

Wenn ich vielleicht Verantwortung oder Macht abgeben muss. Wenn es ungeplante Änderungen gibt. Wenn das passiert, will ich versuchen, mich darauf einzulassen. Und ich weiß: Manchmal eröffnen genau diese durchkreuzten Pläne sogar neue und bessere Horizonte.