Selbstverständlich – für Liebe und Hilfsbereitschaft
So gut wie niemand kennt Grete Rönnfeldt. Sie hat ja auch keine großartige Karriere gemacht. In jungen Jahren war sie Kindermädchen, später Ehefrau und Mutter. Doch das ist noch nicht alles. Sie war auch liebevoll und hilfsbereit – was leider nicht selbstverständlich ist, insbesondere nicht zu ihrer Zeit.
Grete Rönnfeldt: Mut und Nächstenliebe im Nationalsozialismus
Grete Rönnfeldt lebt in den 1920er Jahren in Berlin. Nach dem Ende ihrer Schulzeit arbeitet sie als Kindermädchen. Sie betreut Harry, den neugeborenen Sohn einer wohlhabenden Familie. Dass diese Familie jüdisch ist, spielt da noch keine Rolle. Keine 20 Jahre später aber schon. Denn inzwischen machen die Nazis gnadenlos Jagd auf alle Menschen jüdischer Abstammung. In Berlin liegen Angst und Verrat in der Luft.
Als die Nazis Jagd auf jüdische Menschen machten
Zu diesem Zeitpunkt ist Grete Rönnfeldt längst nicht mehr Kindermädchen, sondern eine verheiratete Mutter. Ihr Mann ist Soldat im Krieg, sie kümmert sich zuhause um die drei Kinder. Ihr ehemaliges Pflegekind Harry ist inzwischen 18 Jahre alt. Er und seine Eltern verstecken sich irgendwo in Berlin. Doch ihre Lage wird immer gefährlicher. Seine Mutter weiß nicht mehr weiter – und erinnert sich an ihr ehemaliges Kindermädchen.
„Selbstverständlich“: Ein Wort voller Mut
Sie schreibt ihr, bittet um Hilfe. Als der Brief bei Grete Rönnfeldt ankommt, ist ihr Mann gerade auf Heimaturlaub von der Front. Sie weiht ihn ein. Am nächsten Tag schickt sie ein Telegramm zurück. Nur ein Wort steht darauf: „Selbstverständlich.“
Selbstverständlich. Was für ein Wort in dieser Zeit! Wer einen Juden versteckte, riskierte das eigene Leben. Doch sie zögert nicht einmal. Harry zieht in das Haus der Familie Rönnfeldt. Bis Kriegsende bleibt er dort, unentdeckt. Die Töchter nennen ihn „Onkel Harry“ und lernen früh, dass es Dinge gibt, über die man besser schweigt.
Nächstenliebe leben: Ein Zeugnis des Glaubens
Mich berührt, wie selbstverständlich Grete Rönnfeldt handelt. Nicht, weil es ihr etwas nutzte. Nicht, weil es politisch klug war. Sondern aus Respekt vor seinem Leben und aus Liebe zum Nächsten.
Hat sie das getan, weil sie es für christlich hielt? Ich weiß es leider nicht. Aber für mich sieht so ein überzeugendes Zeugnis des Glaubens aus. Die Bibel beschreibt diese Haltung immer wieder. Jesus fragt nicht: Verdient dieser Mensch meine Zuwendung? Er sieht den Menschen an sich – den Zöllner, die ausgegrenzte Frau, den Kranken am Wegrand. Ihnen wendet er sich zu. Dabei zählt nicht allein die große Geste, sondern die Haltung des Herzens: Menschen ansehen und ernst nehmen, weil Gott sie geschaffen hat und liebt. Unrecht ablehnen, weil es gegen Gottes Gebote verstößt.
Was wir heute von Grete Rönnfeldt lernen können
Grete Rönnfeldt wurde heute vor 125 Jahren geboren. Dieser Tag gibt mir die Frage mit: Wo sind mein Mut, meine Menschenliebe und mein innerer Kompass gefragt? Da zählen nicht nur die großen Taten. Es geht auch kleiner: Aufmerksam sein für den Nachbarn, der schon lange niemanden mehr gesprochen hat. Eine Pflegekraft wertschätzen, die täglich harte Arbeit leistet. Einem Fremden die Tür aufhalten. Solche kleinen Gesten können viel bedeuten. Manchmal sogar alles, wie bei Grete Rönnfeldt.