Schnee im August
Wenn es heute, also mitten im Sommer, bei uns in Hessen schneien würde, würden wir sagen: Das Wetter spielt ja total verrückt, erst so heiß und dann wie im Winter! Vielleicht würden wir im Fernsehen etwas von einer ungewöhnlichen Kaltfront hören. Der Klimawandel verstärkt ja die Extreme. Und als es vor kurzem in Nordhessen so heftig gehagelt hat, dass die Straßen mit dem Schneepflug freigeräumt werden mussten, da waren das auch eher winterlich anmutende Bilder.
Von einem Wunder würden wir wohl trotzdem nicht sprechen.
Schnee in Rom – eine besondere Geschichte
In Rom ist Schnee nochmal seltener als hier bei uns und im August stöhnen die Menschen dort oft sehr unter der Hitze. Da kann es direkt wohltuend sein, sich an die alte Legende zu erinnern, die sich um den heutigen Tag, den 5. August, rankt. Heute steht im katholischen Kalender nämlich Maria Schnee oder auch Maria vom Schnee - und das hängt mit der Kirche Maria Maggiore in Rom zusammen. Das ist ja eine der großen bekannten Basiliken, nicht weit weg vom Bahnhof Termini und es war auch die Lieblingskirche von Papst Franziskus, weshalb er auch dort und nicht im Petersdom begraben liegt.
Die Legende vom August-Schnee
Die Kirche Maria Maggiore ist am 5. August 432 geweiht worden und es gibt eine noch ältere Legende, die erzählt: Dort, wo sie steht, hat es in der Nacht vom 4. auf den 5. August des Jahres 358 geschneit. Aber der Reihe nach: Ein vornehmes römisches Ehepaar wünscht sich sehnlichst einen Sohn. Da erscheint ihnen nachts die Mutter Gottes und verspricht ihnen den ersehnten Nachwuchs – wenn sie ihr zu Ehren eine Kirche bauen lassen, und zwar genau dort, wo am nächsten Tag, am 5. August, Schnee liegt.
Der Traum des Papstes
Die beiden gehen damit zu Papst Liborius und stoßen auf offene Ohren. Denn der Papst hatte einen ganz ähnlichen Traum, also nicht die Verheißung von Nachwuchs, sondern, dass er dort, wo es schneit, eine Kirche bauen solle. Und wirklich, so heißt es, schneit es auf einem der römischen Hügel, dem Esquilin, und eine Kirche zu Ehren Mariens wird gebaut.
In der heutigen Kirche, die ein Nachfolgebau der alten Kirche ist, kann man ein kleines Relief entdecken, das Papst Liborius im Schnee zeigt. Wahrscheinlich zeichnet er da symbolisch den Grundriss der Kirche, für mich schaut es aber immer so aus, als würde er im Sommer Schnee schippen.
Ein Fest wie fallender Schnee
Heute wird dort in Rom, in der Kirche Santa Maria Maggiore, also gefeiert. Weiße Blütenblätter werden aus einem Loch in der Decke nach unten geworfen, fallen also wie Schnee auf die Menschen im Gottesdienst. Und sie wollen daran erinnern: Bei Gott ist nichts unmöglich, auch nicht der Schnee im heißen römischen Sommer.