hr2 ZUSPRUCH
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Maschke, Andrea

Eine Sendung von
Andrea Maschke,
Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

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Geh aus, mein Herz!

„Geh‘ aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“. Dieses bekannte und schon alte Lied kommt so beschwingt daher. Es macht Lust, den Sommer so richtig zu genießen und raus zu gehen in die Natur. Geh aus, mein Herz!

Zumindest auf den ersten Blick.

Ein Sommerlied voller Freude über Gottes Schöpfung

Das Lied beginnt mit einem großen Lob auf die Natur als Gottes Schöpfung: die schönen Gärten, die grünen Bäume, die Schatten spenden, leuchtende Blumen, singende Vögel. Davon erzählen die ersten drei Strophen, die meistens von diesem Lied gesungen werden, und ab und an hinterher auch noch die achte. Da sagt der Dichter: All das erfüllt mich, weckt mir die Sinne und lässt mich Gott aus überfließendem Herzen loben. Sehr schön.

Ein zweiter Blick lohnt sich aber!

Paul Gerhardt: Ein Leben zwischen Krieg, Verlust und Glauben

Der Liedtext stammt aus der Feder von Paul Gerhardt, einem evangelischen Theologen. Der lebte im 17. Jahrhundert, in einer schwierigen Zeit, die geprägt war vom 30-jährigen Krieg. Die Region Kursachsen, wo er geboren wurde, ist besonders heftig vom Krieg gebeutelt. Und in seiner Jugend sterben ihm hintereinander beide Eltern. Trotzdem besucht Paul eine gute Schule, studiert, wird ein streitbarer lutherischer Theologe. Seine erste Stelle führt ihn nach Berlin, wo gerade die Pest gewütet hat, dann weiter nach Mittenwalde, wo er ordiniert wird. In dieser für ihn wohl guten Zeit hat er das Lied „Geh aus, mein Herz“ geschrieben: knapp zwei Jahre vor der Hochzeit mit seiner Frau Anna Maria. Und es ist schwer zu sagen, ob er mit „mein Herz“ einen geliebten Menschen anspricht, vielleicht Anna Maria, oder ob er zu sich selbst spricht.

Half ihm das Lied auch durch die schweren Zeiten?

Paul Gerhardt ist schon 47 bei der Hochzeit und seine Frau ein ganzes Stück jünger als er. Gemeinsam haben sie fünf Kinder, doch vier davon sterben im Kindesalter und auch seine Frau stirbt lange vor ihm. Also immer wieder großes, ja übergroßes Leid. Außerdem hat er, zurück in Berlin, beruflich eine Menge Konflikte und verliert sogar seine Stelle. Im Alter lebt und arbeitet er dann in Lübben. Und ich frage mich: Konnte Paul Gerhardt selbst dieses Lied noch weiter singen? Oder ist ihm das Singen vergangen?

Die wenig bekannten Strophen schenken Hoffnung

Ich glaube, es hat ihm sogar Kraft gegeben. Das mache ich an den Strophen fest, die nur selten gesungen werden. In manchen Liederbüchern, auch im evangelischen Gesangbuch, kann man sie alle finden: 15 an der Zahl.

Sinngemäß sagt er da nämlich: Wenn es hier, Gott, in diesem irdischen Garten schon so schön ist, wie viel mehr erst bei dir, im Paradies, in deinem Reich. Ja, herrlich stelle ich mir das vor. Aber solange, wie ich hier bin, lass mich hier blühen, wachsen und Früchte bringen wie ein Baum…. Und irgendwann dann bei dir.

Hoffnung, die über den Sommer hinausreicht

Damit hofft er also auch, dass es den Lieben, die er schmerzlich loslassen musste, bei Gott gut geht. Und gleichzeitig bittet er um Kraft – und heute würden wir sagen, auch um Resilienz, auf Erden sinnvoll und fruchtbar zu leben.

Seitdem ich die 15 Strophen mal alle gesungen und gelesen habe, gefällt mir das Lied – und sein Dichter – noch besser. Geh aus, mein Herz, und suche Freud.