Queer und alt - endlich ich sein dürfen
Eine Party mit Stripper im Pflegeheim? Im Julie-Roger-Haus in Frankfurt ist sie das High-Light des Jahres. So zeigt es ein kleiner Film im ZDF-Magazin Volle Kanne.
Unsere Gesellschaft wird immer älter
Unsere Gesellschaft wird immer älter, und immer mehr Menschen werden pflegebedürftig. Darunter auch queere Menschen. Jahrelang konnten sie nicht offen leben, wer sie sind und wie sie lieben. Schwule Männer, lesbische Frauen und trans* Personen, die in den 1950er- und 60er-Jahren jung waren, haben sich manchmal bis heute nicht geoutet. Denn Homosexualität war bis 1969 strafbar.
Jeder Mensch trägt Gottes Würde in sich
Dabei hat Gott jedem Menschen etwas mitgegeben: Würde, Gaben, Anlagen - und ja, auch eine sexuelle Orientierung, die einfach zu ihm oder ihr gehört. Das ist kein Fehler in der Schöpfung.
Diese Würde ist unveräußerlich
Es ist Teil davon. Diese Würde ist unveräußerlich. Sie hängt nicht davon ab, ob die Gesellschaft sie anerkennt. Homosexuelle Menschen sind oft kinderlos geblieben. Häufig ist niemand da, der sich im Alter um sie kümmert. Dann bleiben nur noch das Pflegeheim oder ein Pflegedienst.
Offen für queere ältere Menschen
Im Julie-Roger-Haus ist man offen für queere ältere Menschen, die pflegebedürftig sind. Der Hausleiter Armin Blum bringt es auf den Punkt: „Für queere Menschen im Alter ist die Situation, dass da ganz viel Angst besteht, nicht akzeptiert zu werden. Das ist eine Generation, die ihr Leben versteckt gelebt hat.“ Doch gute Pflege allein reicht nicht. Die große Frage ist: Wie leben alle miteinander?
Alle sind in dieser Zeit groß geworden
Denn die Bewohnerinnen und Bewohner sind alle in dieser Zeit groß geworden - und haben Homosexualität nie als normal erlebt. Gaby Grossbach, die sich im Haus um Offenheit und Vielfalt kümmert, erklärt, wie das im Haus gelingt: sich wahrzunehmen und anzuerkennen: Es gibt Film- oder Vorleseabende zu queeren Themen.
Lebendige Diskussionen und geschultes Personal
Mit lebhaften Diskussionen danach. Das Personal wird regelmäßig geschult, und außerdem ist ein Teil der Pflegenden selbst queer. Da fällt es leichter, mit Problemen zu kommen. In der Reportage werden die nicht queeren Bewohnerinnen und Bewohner gefragt, wie diese Offenheit bei ihnen ankommt. Das Urteil ist einhellig: „Das ist prima so. Und tut uns allen gut. Jeder verdient Respekt.“
Diese Szenen haben mich berührt
Diese Szenen aus dem Julie-Roger-Haus haben mich berührt. Die nicht-queeren Menschen lernen etwas dazu. Sie lernen, in einer Gemeinschaft zu leben, in der alle so sein dürfen, wie sie von Gott geschaffen sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Aber es ist möglich. Auch ich habe in Bezug auf Homosexualität und Queerness eine Lernkurve hinter mir, und bin froh darüber. Mittlerweile weiß ich: Queere Menschen sind ein wunderbarer Teil von Gottes Schöpfung.
[1] https://www.zdfheute.de/ratgeber/gesundheit/queer-sichtbarkeit-pflege-alter-sensibel-100.html
[2] Was "queer" bedeutet: "Queer" ist ein Sammelbegriff für Menschen, die sich nicht ausschließlich heterosexuell verstehen, deren Geschlechtsidentität nicht dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entspricht oder die sich aus anderen Gründen nicht in traditionelle Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität einordnen möchten. Dazu gehören unter anderem lesbische, schwule, bisexuelle, trans * und non-binäre Menschen. Ursprünglich bedeutet "queer" im Englischen "seltsam" oder "abweichend" und wurde als Beleidigung genutzt, bevor Aktivist*innen den Begriff in den 1980er-Jahren positiv umdeuteten. Queer wird meist als positive Selbstbezeichnung von Menschen genutzt, die ihre Identität als „außerhalb der gesellschaftlichen Norm“ ansehen.