Loslassen
„Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen.“ Vor vielen Jahren hat mir meine Schwester eine Postkarte aus Hamburg geschrieben mit diesem Zitat. Ich hatte gerade einen lieben Menschen durch eine Trennung verloren und war einfach nur todtraurig. Ich hab geglaubt: Ich muss jetzt stark sein und darf mich nicht meiner Traurigkeit überlassen. Ich hab an dem nach wie vor geliebten Menschen festgehalten und wollte innerlich nicht zulassen, dass unsere Wege von nun an getrennt verlaufen. „Manche Leute glauben, Durchhalten macht uns stark. Doch manchmal stärkt uns gerade das Loslassen.“ Da kam diese Postkarte mit diesem Spruch in meinen Briefkasten.
Macht Loslassen uns stärker?
„Manchmal stärkt uns das Loslassen“. Mir wurde allmählich klar: Ich kann nicht an der Vergangenheit festhalten und es ist auch nicht ehrlich, alles im Nachhinein schönzureden, was nicht schön war. Es gab ja Gründe, warum wir auseinander gegangen sind. „Loslassen“ - und weitergehen: Wie wichtig das ist, habe ich seither noch öfter erlebt. Erst ist meine Mutter vor fünf Jahren gestorben, dann mein Vater vor zwei Jahren. Ich musste loslassen, ich musste sie gehen lassen. Ich musste auch das Elternhaus, in dem ich aufgewachsen bin, zurücklassen, loslassen.
Was verändert Loslassen im Leben?
Für mich ist das eine der wichtigsten Lektionen meines Lebens geworden: loslassen, nicht an Menschen und Dingen festhalten, die ich nicht festhalten kann. Meine Erfahrung hat mich gelehrt: Irgendwann wird es wieder besser, wenn ich loslasse, wenn ich Abschiede akzeptiere und weitergehe. Es wird irgendwann besser, wenn ich mich nicht an die Vergangenheit klammere und mich einer veränderten Zukunft öffne.
Wie hilft der Glaube beim Loslassen?
Mir hat in der Zeit der Abschiede auch mein Glaube an Gott geholfen. Der heilige Paulus sagt es mit einem harten, aber unmissverständlichen Wort: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und ich strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt.“ (Philipper 3,13) Ich habe nicht vergessen, was hinter mir liegt, ich will es auch gar nicht vergessen. Aber ich habe gelernt, die Menschen loszulassen, die gegangen sind. Ich habe mir gesagt: „Ja das ist so.“ Damit konnte ich in eine Zukunft aufbrechen und auch neues Glück im Leben finden.