Leichtes Gepäck
Vor ein paar Tagen habe ich meine Koffer gepackt. Nein, ich habe niemanden verlassen. Ich bin einfach in den Urlaub gefahren. Und obwohl ich mir vorgenommen hatte, wirklich nur das Nötigste für meinen Aufenthalt im Süden einzupacken, war mein Koffer doch recht schnell gefüllt. Ein zweites Gepäckstück musste her. „Lieber haben als brauchen“, denke ich mir, und ein weiteres Sommerkleid wandert in den Koffer. Die passenden Schuhe natürlich auch. Vielleicht noch ein dünnes Jäckchen, man weiß ja nie.
Wenn der Koffer zu klein wird
Ich bewundere Menschen, die sich auf das Wesentliche beschränken können und trotz mehrerer Tage Urlaub mit Handgepäck in den Flieger steigen. Die scheinbar mühelos entscheiden können, was wirklich zählt. Das sind meist auch die Menschen, die mir im Alltag als sehr genügsam erscheinen. Wenn ich über meine Urlaubskoffer hinwegschaue und weiterblicke auf mein Leben und meinen Besitz, dann frage ich mich schon: „Braucht es das alles?“
Wie viel ist eigentlich genug?
Meine ehrliche Antwort: Nein. Weniger wäre völlig ausreichend. Und dann ist da noch dieser Gedanke aus meinem Glauben heraus. Wie war das mit der Armut? Hat Jesus nicht irgendwann einmal zu seinen Freunden gesagt: „Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel! Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab!“ (Mt 10,9 f.) Ganz schön radikal.
Eine radikale Reiseempfehlung
Hat er das wirklich so gemeint? Für mich steckt darin eine wertvolle Botschaft, die weit über meinen Besitz hinausgeht. Denn ich kann nicht für alles vorsorgen. Das Leben passiert – ungeplant, unvorhersehbar. Es gibt Dinge, die kann ich mit keinem Geld der Welt kaufen. Ich weiß nicht, wem ich auf meinem Weg begegnen werde, und ich weiß auch nicht, was mein Gegenüber in der jeweiligen Situation braucht. Womöglich wird es sinnvoll sein, irgendwann im Laufe meines Lebens ein Stück Weg ohne Schuhe zu gehen.
Vertrauen statt Vorsorge
Ich meine, manchmal kann es gut sein, auf direkte Tuchfühlung mit dem Boden zu gehen, wieder in Berührung zu kommen mit dem, was mich trägt. Vielleicht kann ich mich ohne Schuhe darauf einlassen, einmal ein Stück Weg in den Schuhen eines anderen zu gehen. Und ja, ein Wanderstab kann den Auf- oder Abstieg leichter macht, manchen Berg muss ich allerdings alleine gehen.
Ein ungeplantes Reisegeschenk
Es geht also gar nicht um mein Reisegepäck, sondern vielmehr um meine Haltung. Ich bin herausgefordert, mit leichtem Gepäck durchs Leben zu gehen, nicht weil es schlecht ist, etwas zu besitzen, sondern weil es gut ist, mit offenen Augen und freiem Herzen unterwegs zu sein. Den Moment wahrzunehmen – statt schon beim nächsten Schritt zu sein. Nicht immer einen Plan haben und gespannt sein, an welche Orte und zu welchen Menschen ich geführt werde. Jesus sagt auch. „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ (Mt 10,8) Ich bin gespannt, was mir begegnet in diesem Urlaub. Welche Menschen. Welche Momente. Und was ich alles geschenkt bekomme – ohne es je in meinen Koffer gepackt zu haben.