hr2 ZUSPRUCH
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Eine Frau mit langen, dunklen Haaren lächelt in die Kamera. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt und eine graue Jacke. Der Hintergrund ist neutral und hellgrau. Die Aufnahme wirkt freundlich und professionell.

Eine Sendung von

Regionaljugendreferentin Katholisches Jugendbüro Oberhessen, Alsfeld

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Bildquelle: Pixabay

Kinderfragen

„Wo war ich da?“ Diese Frage stellt mein dreijähriger Sohn ganz oft. Vor allem dann, wenn ich ihm von Erlebnissen vor seiner Geburt erzähle: Vom ersten Urlaub mit Papa oder von Omas sechzigstem Geburtstag. Mein Sprössling möchte dann wissen, wo er zu diesem Zeitpunkt war. „Da warst Du noch nicht geboren,“ lautet dann oft meine Antwort. 

Das stellt ihn aber ganz und gar nicht zufrieden. Er kann nicht glauben, dass es in meinem Leben auch eine Zeit ohne ihn gab. Und überhaupt: dass es ihn auf diesem Planeten angeblich irgendwann nicht gegeben haben sollte.

“Was kommt nach meinem Tod?”

Manchmal versuche ich es mit dem Satz: „Da warst Du noch beim lieben Gott im Himmel“ oder erzähle etwas von einer kleinen Seele. Aber so richtig überzeugen konnte ich ihn damit noch nicht. Und mich selbst auch nicht. 

Wäre ich von meinem Sohn gefragt worden, „Was kommt nach meinem Tod?“, dann hätte ich eine schlüssige Antwort aus dem Ärmel schütteln können. 

Zum Beispiel diese: „Ich glaube daran, dass alle Menschen zum lieben Gott in den Himmel kommen. Jesus sagt, dass Gott für jeden von uns eine Wohnung im Himmel vorbereitet hat.“ Aber die Frage meines Sohnes „Was war vor meinem Leben?“, die bringt mich ziemlich in Erklärungsnot und übersteigt meine Vorstellungskraft. 

„Wo war ich da?“

Klar, ich könnte auch antworten und sagen: „Du warst ein Staubkorn im All“. Aber wenn ich in das kleine erwartungsfrohe Gesicht schaue, will mir das nicht über die Lippen gehen. Und schließlich glaube ich daran: Irgendwie waren wir Menschen schon immer mit Gott verbunden, auch vor unserer Geburt.

Neulich beim Abendessen, zwischen Salamibrot und Apfelschnitzen, war das Thema „Wo war ich da?“ wieder Gesprächsstoff. Kaum war mein Sohn im Bett, hab‘ ich mir die Bibel geschnappt und mich aufs Sofa gesetzt. In der Bibel nachschauen – das mache ich oft, wenn ich mal nicht weiterweiß. 

Die Bibel hilft weiter

Bei den Propheten und in den Psalmen im Alten Testament habe ich dann Sätze gefunden wie diesen: „Noch bevor ich dich im Mutterleib geformt habe, kannte ich dich.“ (Jeremia 1,5

Oder den: „Als ich noch im Schoß meiner Mutter war, hat Gott meinen Namen genannt.“ (Jesaja 49,1) Oder auch diesen Satz: „Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen.“ (Psalm 139,16)

Ich finde diese Sätze haben etwas Beruhigendes, etwas von Behütetsein. Sie sprechen davon, dass wir schon vor der Geburt in enger Beziehung mit Gott sind. Gott kennt und sieht uns – schon bevor wir uns selbst kennen. Jeder einzelne Mensch ist von Gott gewollt, auch wenn wir mit uns selbst manchmal hadern. 

Gott wusste schon von uns

„Wo war ich vor meiner Geburt?“ Wenn mein Sohn mich das wieder mal fragt, werd‘ ich versuchen, ihm von diesen Sätzen aus der Bibel zu erzählen, möglichst kindgerecht natürlich. 

Vielleicht so: Du warst zwar noch nicht wirklich da. Aber Gott hatte dich schon geplant. Er hat schon immer Lust darauf gehabt, dich zu erschaffen. Gott wusste schon, dass es dich mal geben wird.

Die Kinderfragen meines Sohnes: Sie bringen auch mich als Erwachsene dazu, über die großen Fragen des Lebens nachzudenken und mich über mögliche Antworten zu freuen.