hr2 ZUSPRUCH
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Reuter, Eva

Eine Sendung von
Eva Reuter,
Katholische Pastoralreferentin, Citypastoral in Mainz und Frauenpastoral im Bistum Mainz

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Ein schwarzes, retro Telefon mit Wählscheibe steht auf einem Tisch neben einem Blatt mit handschriftlichen Notizen und einem Füller. Das Bild vermittelt ein Gefühl von Nostalgie und Kommunikation.

Erinnerungen

Beim letzten Update ist er leider verloren gegangen: Der Ansagetext auf dem Anrufbeantworter meiner Schwiegereltern. 15 Jahre lang hat er die Anrufer begrüßt mit den Stimmen der beiden Enkelinnen, die mit ihren etwa 3 und 5 Jahren verkünden: „Oma und Opa sind gerade nicht da…“ Inzwischen sind die beiden fast 20 und 22 Jahre alt und den alten Spruch auf dem Anrufbeantworter, den gibt es jetzt nur noch in meinem Kopf.

Welttag des audiovisuellen Erbes

Heute, am 27. Oktober, ist der „Welttag des audiovisuellen Erbes“, und da muss ich an dieses verlorene Audio-Dokument denken. Die UNESCO erinnert heute an die Bedeutung von Film-, Ton- und Bildaufnahmen als Teil unseres kulturellen Gedächtnisses. Und ich frage mich, welche Dokumente als Erinnerungen wichtig sind. 

Andererseits verstehe ich den Welttag auch als Hinweis darauf: Erinnerungen gehören zu jedem Leben existenziell dazu. Das berichten vor allem Menschen, die bei einem Unfall ihr Gedächtnis verloren haben. Ich stelle mir das ganz furchtbar vor! 

Und dabei geht es gar nicht in erster Linie um die Bilder oder Geräusche, die jemand vergessen hat. Was ist mit den Emotionen? Wenn ich mir alte Fotos anschaue von den zwei kleinen Cousinen in Omas und Opas Garten, dann spüre ich in meiner Erinnerung die Sommerhitze und habe den Geschmack der Mirabellen auf der Zunge. 

“Tut dies zu meinem Gedächtnis”

Ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht ist, dass wir von Jesus kein Videomaterial haben. Einerseits wäre dann immer schon klar gewesen, dass er nicht blond und blauäugig war, andererseits hätte es auch keine andere Überlieferungsgeschichte gegeben. Die Autoren der Bibel haben ja das aufgeschrieben, was ihnen wichtig erschien, und es so wiedergegeben, wie sie es verstanden haben. 

Sie haben die Erinnerungen mit den damals vorhandenen Möglichkeiten gesichert. Für die christlichen Gemeinden war es von Anfang an wichtig, sich daran zu erinnern, was Jesus gesagt hat. 

„Tut dies zu meinem Gedächtnis“ trägt Jesus selbst den Jüngern beim letzten Abendmahl auf. Er setzt Brot und Wein als Erinnerungszeichen ein. Ich denke, wenn er das damals schon gekonnt hätte, dann hätte er das letzte Abendmahl auch fotografiert. Ein Selfie, ein Foto, das die Jünger ihren Kindern und Enkeln zeigen können und dann erzählen, wie es damals war.

Wir sollten unsere Erinnerungen pflegen

Ich bin mir sicher, sie hätten dabei gelächelt oder vielleicht auch Tränen in den Augen gehabt, weil ein Bild immer die ganze Erinnerung transportiert – auch die Gefühle. 

Deshalb finde ich es einen wichtigen Hinweis, darauf zu achten: Das audiovisuelle Erbe gehört existenziell zu jedem einzelnen und auch zu einer Gruppe. Ich finde: Wir sollten unsere Erinnerungen pflegen – die persönlichen und auch die kollektiven. Damit auch kommende Generationen wenigstens eine Ahnung von den Emotionen bekommen können und von den Ereignissen, die bis heute wichtig sind.