Die Freude des Wiederfindens
Ein Schild: Fundbüro. Darunter der Hinweis: Nachfolgend aufgeführte Gegenstände wurden abgegeben und können abgeholt werden: 2 Kapuzen, 1 Regenhose, 1 Hemd, kariert, 15 Jacken, 8 Paar Turnschuhe, 13 Mützen, mehrere einzelne Handschuhe.
Fundbüro des Alltags: Was verrät die Liste?
Eine bemerkenswerte Liste. Sofort habe ich das bunte Leben einer Grundschule vor Augen. Kinder, die morgens schnell eine Mütze aufsetzen – und sie später irgendwo liegen lassen. Eine Jacke, beim Spielen ausgezogen, später vergessen.
Warum Verlieren und Wiederfinden so viel auslöst
Das passiert Kindern – aber auch Erwachsenen. Schlüssel, Brille, Handy … Wiederfinden – das ist ein schönes Gefühl. Suchen dagegen nervt. Manchmal ist es belastend. Vor allem, wenn es dabei um mehr geht als nur um Dinge: Wenn man den Mut verliert, weiterzumachen. Oder das Gefühl, dazuzugehören. Und wie oft verliere ich die Geduld.
Wer schaut hin, wenn jemand fehlt?
Dann ist es gut, wenn jemand hinschaut, nachfragt. Wenn einer merkt: Da fehlt doch jemand. Und sich dann auf die Suche macht. Gerade neulich hat mir eine Frau von ihrer Nachbarin erzählt: „Mir ist aufgefallen, dass das Rollo morgens nicht hochgezogen war. Da habe ich mal nachgeschaut – zum Glück, denn sie war gestürzt und lag hilflos in der Wohnung.
Verantwortung im Miteinander: Eine alte Lebensregel
Dieses „Nachschauen“ ist ein uraltes Prinzip für menschliches Miteinander. Es gibt da eine uralte Lebensregel, die schon in der Bibel steht. Da heißt es: Wenn du siehst: dein Nächster hat etwas verloren – ein ausgebüxtes Tier oder auch nur ein vergessener Mantel – dann darfst du nicht so tun, als ginge es dich nichts an. Kümmere dich darum, bis es wieder bei seinem Besitzer ist. (5. Mose 22,1-3)
Solidarisch sein statt wegsehen
Das klingt nach einer einfach Alltagsregel. Aber dahinter steckt noch mehr. Die Erkenntnis: als Menschen gehören wir zusammen und tragen Verantwortung füreinander. Manchmal ist man zuständig - einfach nur, weil man da ist. Weil man hingeschaut hat. Es geht dabei nicht um Mitleid, sondern um Solidarität. Sich nicht abzuwenden, wenn jemand aus dem Blickfeld gerät.
Der Blick Gottes: Verliert er niemanden?
Für mich hat das auch eine spirituelle Seite. Gott ist für mich der Inbegriff des Hinschauenden. Derjenige, der niemals etwas oder jemanden „verliert“. Gott hält mich im Blick, auch wenn ich selbst den Faden verloren habe. Und er traut Menschen zu, dass wir füreinander die Augen offenhalten.
Fundbüro und Menschen: Warum Nicht-Wegschauen zählt
Nur so funktioniert das Fundbüro. Weil jemand die Dinge sieht und aufhebt. Weil jemand nicht wegschaut. Das gilt für vergessene Jacken – und für Menschen.