hr1 ZUSPRUCH
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Seeger, Andrea

Eine Sendung von

Evangelische Theologin, Oberursel

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Eine lächelnde Frau mit einer auffälligen rosa Kopfbedeckung und einem hellen, strukturierten Ensemble. Sie trägt Perlenohrringe und einen passenden Perlenschmuck. Der Hintergrund ist unscharf und zeigt mehrere verschwommene Personen. Es ist Elizabeth II.

Elizabeth II. - Herzlichen Glückwunsch zum 100.

Sie war einfach da – immer. Seitdem ich auf der Welt bin – ruhig, würdevoll, bis zuletzt im Dienst. Vor knapp vier Jahren starb sie. Heute würde Queen Elizabeth II. hundert Jahre alt.

Was bleibt, wenn eine Königin fehlt?

Manchmal vermisse ich sie. Dabei lebe ich in einem anderen Land, in einer Republik. Wir wählen unsere politischen Vertreterinnen und Vertreter, brauchen keine Krone mit Gold und Diamanten, keinen Pomp mit Kutschen und Lakaien. Und doch fehlt manchmal genau diese Haltung, die sie verkörpert hat.

Stärke in Zurückhaltung: Was ihre Haltung besonders machte

Sie hat nicht laut geredet. Sie hat nicht mit dem Finger auf andere gezeigt. Sie hat andere nicht von oben herab behandelt. Sieben Jahrzehnte auf dem Thron, fünfzehn Premierminister, zwei Weltkriegs-Generationen, unglückliche Ehen in der Familie, eine Pandemie – sie hat durchgehalten, gute Miene gemacht auch zum bösen Spiel. Nicht verbittert, nicht selbstmitleidig. Einfach da. Vielleicht für manche an manchen Stellen zu sehr, zum Beispiel, was ihren Sohn Andrew betrifft.

Ein königliches Vorbild: Dienen statt herrschen?

Für mich ist sie ein Vorbild: Jemand, der seinen Platz kennt und ausfüllt – auch durch Dienen. Als zutiefst gläubiger Mensch kannte sie die Bibel, auch das Wort von Jesus: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen." Markus 10,45

Glaube als Anker ihres Lebens

Das spiegelt ihre tiefe Überzeugung wider. Sie war Kraft ihres Amtes das weltliche Oberhaupt der Anglikanischen Kirche. Sie sagte mehrfach, Jesu Leben sei ihr Anker.

Erinnerung und Auftrag: Wem diene ich?

In einer Zeit, in der viele Menschen so oft Macht mit Selbstdarstellung verwechseln, tut es gut, sich an sie zu erinnern. Und ganz altmodisch zu fragen: Wem diene ich?

Eine andere Art von Krone: Verlässlichkeit im Alltag

Vielleicht ist die eigentliche Krone nicht aus Gold, sondern aus Verlässlichkeit. Die trägt meine Nachbarin, die immer für mich da ist. Mein Kollege, auf den ich mich verlassen kann. Die Freundin, die mir zuhört, auch wenn sie anderes zu tun hat. So eine Krone kann jede und jeder tragen – einfach im Tun.