Der Papst in Barcelona
Von weitem sieht sie aus wie eine riesige Zuckerbäckertorte, die Sagrada-Familia-Kirche in Barcelona. Seit fast 150 Jahren wird an ihr gebaut und heute ist der Papst da, um den höchsten Kirchturm der Welt, den Jesus-Turm mit über 170 Metern, einzuweihen. Außerdem feiert Papst Leo eine Messe im Gedenken an den Architekten dieser Kirche, Antoni Gaudi, der heute vor hundert Jahren gestorben ist. Vor zwanzig Jahren war ich selbst einmal in dieser großen Kirche und wirklich verblüfft darüber, dass man heute noch so große Kirchen baut. Heute werden allein 4000 Menschen in der Basilika Platz finden und viele vor der Kirche oder am Bildschirm das Ganze verfolgen. Wann die Kirche fertig wird, ist noch völlig unklar, vielleicht in zehn Jahren. Auf die lange Erbauungszeit angesprochen, hat schon Antoni Gaudi geantwortet: „Mein Kunde hat keine Eile.“ Er meinte damit die Kirche und Gott.
Menschen, die Bauten starten, die sie selbst nie vollendet sehen werden
Dieses Phänomen, dass Kirchen oft über viele Jahrhunderte entstehen, wie z.B. auch der Kölner Dom, finde ich wahnsinnig interessant. Es sagt mir nämlich: Menschen haben zu allen Zeiten über ihr bloßes Leben hinaus gedacht und etwas begonnen, einfach weil sie etwas Großes schaffen wollten. Diese Architekten und Handwerker wussten: Ich werde niemals den fertigen Dom sehen, aber ich beginne an etwas Großem mitzuarbeiten und werfe den Blick über mein Leben hinaus.
Wie können wir an einer besseren Zukunft mitbauen?
Diese Einstellung kann ich auch gut auf mein Leben übertragen. Als Christ verstehe ich mein Leben so, dass ich am Reich Gottes mitarbeite. Durch mein Leben kann ich mit dazu beitragen, dass es menschlicher auf dieser Welt zugeht. Ich kann als Mensch versuchen, etwas von dieser Liebe, die Jesus vorgelebt hat, weiterzugeben. Ich kann versuchen, anderen zu vergeben, mich selbst nicht ständig in den Mittelpunkt zu stellen und mir für Menschen in meiner Nähe Zeit zu nehmen. Ich kann Kranke und Alte besuchen und ihnen damit zeigen, dass sie noch wichtig sind. Ich kann Frieden stiften, in der Familie und anderswo. All das ist nichts Außergewöhnliches. Es ist keine Riesen-Kathedrale, die ich da baue, aber es ist ein Stück Menschlichkeit, das vielleicht auch auf andere ausstrahlt. Darauf hoffe ich und an dieser Zukunft baue ich mit.