hr2 ZUSPRUCH
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Maschke, Andrea

Eine Sendung von
Andrea Maschke,
Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

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Eine Illustration zeigt zwei Hände, die sich zur Begrüßung schütteln. Unterhalb steht der Text „FAIR Business“ in großen Buchstaben, begleitet von einem lächelnden Gesicht. Die Bildsprache vermittelt das Thema von fairem Geschäft.

Der Mai hat begonnen!

Der Mai ist gekommen. Dieser Monat, den manche auch den Wonnemonat nennen, beginnt mit einem Feiertag. Die einen tanzen hinein oder feiern die Walpurgisnacht, die anderen brechen früh auf, um mitten im Ort den Maibaum aufzustellen. Vor allem wird heute in Deutschland, wie in vielen Ländern der Welt, der Tag der Arbeit begangen. 

An vielen Orten, auch in Frankfurt, finden Kundgebungen und Demonstrationen statt, in denen es um gerechtere Sozial- und Arbeitspolitik geht. In diesem Jahr sind es 140 Jahre, seit den Kundgebungen am 1. Mai 1886, auf die die Tradition des Tags der Arbeit zurück geht. 

Vor über 100 Jahren streikten Arbeiter, um den 8-Stunden-Tag durchzusetzen

Damals rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zu Demonstrationen und zum Generalstreik auf, um den Acht-Stunden-Tag durchzusetzen. Das war keine neue Forderung. Schon dreißig Jahre vorher hatten in Australien deswegen Arbeiter gestreikt. Und hier und dort wurde diese Forderung schon umgesetzt, aber die Regel war eben doch ein 12-Stunden-Tag. 

Es war damals gefährlich, sich mit solchen Forderungen auf die Straße zu wagen: Im Anschluss an den 1. Mai 1886 kam es bei Kundgebungen und Streiks in Chicago zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. – und am Ende zu Toten und Verletzten, einige auf der Seite der Polizei, viele auf Seiten der Arbeiter. So wurde der 1. Mai zum Protest- und Gedenktag der Arbeiterbewegung, nach und nach auch über Amerika hinaus.

Ein Gemälde zeigt Josef mit einer roten Arbeiterfahne

Die katholische Kirche war ja lange sehr misstrauisch und ablehnend allen Bewegungen gegenüber war, die kommunistisch oder sozialistisch sein könnten. Andererseits war die Würde und Wertschätzung der arbeitenden Bevölkerung ein wichtiges Anliegen. So hat der Papst schon 1891 die Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ veröffentlicht und bald danach wurden die ersten christlichen Gewerkschaften und die Arbeitervereine gegründet. Im Bonner Münster gibt es übrigens ein bemerkenswertes Gemälde aus dieser Zeit, das den heiligen Josef mit einer roten Arbeiterfahne über der Schulter zeigt. 

Mitte der 50er Jahren wurde dann offiziell das Fest „Josef der Arbeiter“ auf den 1. Mai gelegt.

Ich denke an alle, die heute am Feiertag arbeiten müssen

Ich denke heute besonders an die, die jetzt arbeiten müssen, die am Feiertag nicht frei haben. In meinem Arbeitsumfeld als Altenheimseelsorgerin sind das vor allem die Menschen, die in den Altenheimen arbeiten, im Schichtdienst in der Pflege und in der Betreuung, in der Reinigung und in der Küche. Auch am Feiertag und am Wochenende müssen die Bewohnerinnen und Bewohner ja versorgt und betreut sein. Das ist harte Arbeit, körperlich und auch psychisch. Manchmal bekomme ich mit, wie die Pflegenden nach der Arbeit sich draußen erst mal kurz hinsetzen müssen: durchschnaufen und den Kopf frei bekommen.

Besonders Pflegende in Altenheimen haben unseren Respekt verdient

Für viele Bewohnerinnen und Bewohner ersetzen sie die Familie. Und manche der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind für diese Arbeit extra nach Deutschland gekommen, haben die eigenen Lieben dafür zurückgelassen. 

Sie alle haben unseren Respekt verdient. Und diese Wertschätzung, und da schließt sich der Kreis zu den Kundgebungen zum 1. Mai, muss sich auch in der Bezahlung und einem fairen Arbeitsplan ausdrücken.