hr2 MORGENFEIER
hr2
Hirt, Beate

Eine Sendung von

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt

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Eine Frau mit geflochtenen Haaren sitzt an einer Nähmaschine in einem Raum mit vielen Stoffen und Materialien. Sie trägt ein buntes Kleid und lächelt freundlich in die Kamera, während sie an einem Nähprojekt arbeitet.

Mut tanken für die Zukunft!

Die Zukunft ist wunderbar! Menschen denken immer wieder so und freuen sich richtig aufs Morgen. Kinder zum Beispiel. Meine Nichte erzählt strahlend davon, dass sie demnächst mit ihrer Akrobatikgruppe im Kinderzirkus auftritt. Und dass sie im Sommer in die Schule kommt. Eine Freundin von mir freut sich gerade sehr auf ihre neue Küche. Und viele, die ich kenne, sind froh, dass die Zukunft der nächsten Wochen vermutlich mehr Sonne und Wärme mit sich bringen wird.

Vielen Menschen macht der Blick auf die Zukunft Sorgen

Aber die Zukunft ist für viele Menschen auch ein schwieriges Thema. Viele machen sich Sorgen, privat und politisch. Was wird kommen? Wie wird sich unser Land, wie wird sich die Welt in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln? Wie kommen wir aus den Krisen raus, der wirtschaftlichen Krise, der Klimakrise? Auch ich fühl mich in diesen Zeiten manchmal richtig niedergeschlagen, wenn ich an die Zukunft denke.

Wie die jungen Menschen in Kamerun die Zukunft angehen, inspiriert mich

Deshalb ist ein Vorsatz für die Fastenzeit, die gerade begonnen hat: Mut tanken für die Zukunft! Und dabei helfen mir nicht zuletzt: mutige Menschen. Heute, am 1. Fastensonntag, sind es Menschen aus Kamerun. Heute nämlich wird die Fastenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor eröffnet. Das Motto lautet: Hier fängt Zukunft an. Und dieses „Hier“ bedeutet in dem Fall: Hier bei jungen Menschen in Kamerun, in der Stadt Douala. Ich möchte heute in der Morgenfeier von diesen jungen Leuten erzählen und wie sie mutig die Zukunft angehen. Obwohl sie in viel schwierigen Verhältnissen leben als ich. Und ich will erzählen, wie mich das inspiriert für meine Zukunft.

Musik 1: Toto Bona Lokua: Lisanga (CD: Music from the Chocolate Lands)

Trotz guter Ausbildung, war Pauline jahrelang arbeitslos

Pauline Maïday stammt aus Douala, der größten Stadt in Kamerun. Heute ist sie eine erfolgreiche junge Unternehmerin. Sie schneidert Taschen und andere Dinge in ihrem kleinen eigenen Atelier und verkauft die Produkte dort und über das Internet. Aber ihre beruflichen Anfänge waren nicht leicht. Pauline erzählt: „Ich bin supergut ausgebildet. Und war trotzdem jahrelang arbeitslos. Das ist die Realität in Kamerun.“ Für viele junge Menschen in dem afrikanischen Land ist das harte Wirklichkeit: Die Jugendarbeitslosigkeit ist extrem hoch. Die politische Führung im Land besteht aus alten Männern, die seit über 40 Jahren an der Macht sind. Sie haben keine Lösung für die Probleme der jungen Leute, obwohl die einen Großteil der Bevölkerung ausmachen. Zukunftsperspektiven – eher mau!

CODAS Caritas hat ihre Idee unterstützt

Fünf Jahre lang war Pauline arbeitslos. Dann hat sie angefangen, kleine Dinge mit den Händen herzustellen, Ohrringe, Armbänder. Schließlich auch Taschen. Und sie hat ihre Produkte übers Internet angeboten. Das wiederum hat Léon Yanda gesehen. Er ist der Direktor von CODAS Caritas, einer Organisation, die junge Leute finanziell unterstützt bei ihrer praxisorientierten Ausbildung. Die Organisation hat es Pauline dann ermöglicht, einen Container mit Schaufenster zu kaufen, der heute ihre Boutique ist. „Das hat alles verändert“, erzählt sie. „Ich war nun viel sichtbarer für meine Kund*innen. “ Auch im digitalen Marketing wurde sie weiter geschult. Heute macht es Pauline stolz, dass sie auf eigene Rechnung arbeitet. „Ich habe Hoffnung, ich habe Zukunft“, sagt sie.

Pauline ist live im ARD-Gottesdienst im Ersten dabei 

Mich beeindruckt diese Geschichte von Pauline. Heute wird sie vermutlich noch einige Leute mehr beeindrucken. Denn heute spricht Pauline bei uns in Hessen über ihren Werdegang, in Hofheim am Taunus. Und viele werden am Fernseher dabei sein. In Hofheim wird die bundesweite Misereor-Fastenaktion eröffnet. Mit einem feierlichen Gottesdienst, auch ein Erzbischof aus Kamerun ist mit dabei und Bischof Bätzing, der Limburger Bischof und Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz. Ab 10 Uhr überträgt der Hessische Rundfunk den Gottesdienst im Ersten, in der ARD. Pauline ist dort als Gast aus Kamerun zu sehen und erzählt von ihrem Weg in die Selbstständigkeit. CODAS Caritas in Douala ist eine Partnerorganisation von Misereor. Die Spenden, die das Hilfswerk in dieser Fastenzeit sammelt, gehen nicht zuletzt in dieses Projekt. Damit noch mehr junge Menschen wie Pauline eine berufliche Zukunft haben. 

Mir zeigt dieses Projekt im fernen Kamerun auch: Zukunft entsteht nicht nur da, wo die Voraussetzungen bestens sind und wo es den Menschen gut geht. Zukunft fängt dort an, wo Menschen etwas miteinander und füreinander tun.

Musik 2: Dobet Ghnahoré: Kakou (CD: Music from the Chocolate Lands)

Die Fastenaktion von Misereor fördert die Ausbildung junger Menschen 

„Hier fängt Zukunft an“. Das ist das Motto der Fastenaktion von Misereor, dem katholischen Hilfswerk, in diesem Jahr. Auf den Plakaten und Materialien sieht man junge Menschen aus Kamerun wie Pauline oder auch wie Silas, der junge Technik-Azubi. Sie haben ihre Zukunft mutig in die Hand genommen. Und sie sind dabei unterstützt worden. Von Organisationen wie der CODAS Caritas in Douala. Gemeinsam schaffen sie es, dass junge Menschen in Kamerun einen Beruf erlernen, in dem sie zufrieden sind und von ihrer Hände Arbeit leben können.

Das gibt Menschen eine neue Perspektiven in ihrem Land

Menschen wie Pauline und Silas bekommen eine Zukunft in ihrem Land, obwohl ihre Perspektiven dort ganz und gar nicht rosig aussahen, durch die hohe Arbeitslosigkeit und auch die Korruption im Land. Manchem wird da der Gedanke kommen: Wie gut, dass diese jungen Leute deswegen in ihrem Land bleiben können. Viele junge Menschen in Afrika sehen ja so wenig Perspektive für sich, durch Arbeitslosigkeit, aber auch durch Krieg und Gewalt, dass sie fliehen aus ihrer Heimat. Ich finde das, ehrlich gesagt, völlig verständlich. Sie suchen Zukunft in anderen Ländern. Sie fliehen, zum Teil bis nach Europa, und nehmen dabei große Gefahren auf sich. Ich bin überzeugt: Kein Mensch verlässt einfach so seine Heimat und seine Familie. Sondern eben nur, wenn es nicht mehr anders geht, wenn es keine andere Perspektive mehr gibt.

Alle Menschen sollen auf unserer Erde in Würde leben können 

Wie gut ist es doch, wenn sich stattdessen eine Zukunftsperspektive im eigenen Land eröffnet. Wenn Organisationen Menschen dabei helfen, in ihrer Heimat Zukunft aufzubauen. Das ist ja auch ein Argument für Entwicklungszusammenarbeit und für Investitionen in Afrika: So kann Flucht und Migration verhindert werden. Aber für mich als Christin kann das nie das wichtigste Argument sein, um zu helfen. Es geht nicht darum, dass wir hier weniger Flüchtlinge haben. Es geht darum, dass alle Menschen auf dieser Erde Menschenwürde besitzen. Das Wichtigste ist doch: Auch Menschen wie Pauline, auch Menschen in Afrika haben Würde. Sie haben ein Recht auf Gesundheit, Bildung, Arbeit. Für mich als Christin steht fest: Sie sind genauso von Gott geschaffen und mit Würde und Rechten versehen wie wir Menschen in Europa. Ich weiß: All das ist gar nicht mehr selbstverständlich. Es gibt auf dieser Welt, gerade auch bei Mächtigen dieser Welt, immer mehr Rassismus. Aber deswegen ist es für mich eine besonders wichtige Zukunftsperspektive: Dass wir die Menschenwürde und die Menschenrechte hoch halten. Und die Nächstenliebe, die immer auch Liebe zu den Menschen in der Ferne ist.

Musik 3: Taffetas: Yay Balma (CD: Music from the Chocolate Lands)

Die politische Rückendeckung für solidarisches Handeln bröckelt

In der Fastenzeit, den sieben Wochen bis Ostern, erinnern die christlichen Kirchen – und auch das katholische Hilfswerk Misereor – an Nächstenliebe und Mitgefühl. Ich hab den Eindruck: Das wird immer dringlicher. Immer öfter lese ich, vor allem bei den Rechtspopulisten in den USA und bei uns: Mitgefühl, Empathie, das sei was für Schwache. Die Nächstenliebe sei „Gift“ oder bestenfalls etwas für die wirklich „Nächsten“, für die eigene Familie oder Nation. America first. Oder bei uns: Deutschland zuerst. Der Leiter von Caritas International stellt fest: „Die politische Rückendeckung für solidarisches Handeln bröckelt weltweit, das System gerät ins Wanken.“ Und auch ich erlebe: Wenn ich im Radio über Klimagerechtigkeit oder Spenden für Hilfsorganisationen spreche, dann bekomme ich Sätze zugeschickt wie: Wir haben in Deutschland genug eigene Sorgen. Wir können uns nicht um die Probleme irgendwo anders auf der Erde kümmern.

Bei Jesus wird auch der Fremde zum Nächsten

Die Bibel und die christliche Tradition sprechen eine andere Sprache. Mitgefühl und Nächstenliebe sind da zentral. Und die Liebe zu den Nächsten ist immer auch die Liebe zu den Fernen und Fremden. Im berühmten Gleichnis vom Barmherzigen Samariter zum Beispiel ist gerade der Fremde derjenige, der zum Nächsten wird. Papst Leo hat zu dem Gleichnis einmal gesagt: „Manchmal … betrachten (wir) nur diejenigen als unsere Nächsten, die zu unserem Umkreis gehören, die genauso denken wie wir, die dieselbe Nationalität oder Religion haben; aber Jesus kehrt diese Sichtweise um.“ Die Nächstenliebe schaffe „echte Geschwisterlichkeit, reißt Mauern und Zäune ein“, sagt der Papst. Und weiter: Es geht um den „Weg vieler Völker, die entblößt, ausgeraubt und geplündert wurden, Opfer unterdrückender politischer Systeme, einer Wirtschaft, die sie in die Armut zwingt, des Krieges, der ihre Träume und ihr Leben zerstört.“

Hilf, wo es dir möglich ist, auch weltweit

Für Papst Leo und schon für die Bibel ist klar: Mein Nächster, meine Nächste: Das sind auch Menschen zum Beispiel in Afrika, in Kamerun, die meine Unterstützung brauchen. Liebe deinen Nächsten! Das bedeutet auch: Lass dir die Menschen weltweit zu Herzen gehen und hilf, wo und wie es dir möglich ist.

Die Bibel denkt global und international 

Auch wenn es um die Zukunft geht, denkt die Bibel übrigens global und international. In den großen Visionen im Buch Jesaja oder in der Offenbarung des Johannes strömen am Ende die Nationen der ganzen Welt zusammen. Alle Völker sollen das Heil Gottes erleben. Bis an die Enden der Erde reicht Gottes Liebe. Die Zukunftsperspektive der Bibel ist: Gutes Leben für alle. Und wie das so ist bei den biblischen Visionen: Sie sagen nicht nur etwas aus über das Ende der Zeiten. Sie haben Einfluss auf das Heute, auf das Hier und Jetzt. Die Zukunft beginnt hier und heute.

Musik 4: Samite: „Wasuze Otya?“ (CD: Music from the Coffee Lands)

Zukunft kann ich jetzt schon mit anderen gestalten

„Hier fängt Zukunft an“. So lautet das Motto der Fastenaktion von Misereor in diesem Jahr. Darin steckt auch die Botschaft: Hier und heute geht es los mit der Zukunft. Zukunft ist nicht nur etwas, was ich in ferner Zeit erwarte, vielleicht passiv, die Hände in den Schoß gelegt. Zukunft ist etwas, was ich gestalten kann, am besten mit anderen zusammen. Jesus spricht im Neuen Testament vom „Reich Gottes“, das einerseits erst kommt und andererseits aber auch schon angebrochen ist. Da, wo Menschen Liebe und helfende Solidarität leben. Da, wo sie sich miteinander verbinden, da beginnt es, das Reich Gottes. Da fängt sie schon an, die Zukunft Gottes. Das ist eine Vorstellung von Zukunft, die mir gut gefällt.

Die jungen Menschen aus Kamerun berichte, was ihnen geholfen hat

Die jungen Menschen aus Kamerun, die im Mittelpunkt der Misereor-Fastenaktion stehen, erzählen davon, wie und wo die Zukunft für sie begonnen hat. Da, wo jemand an sie glaubt. Geld in ihre beruflichen Visionen investiert. Und sich dann mit ihnen freut, wenn diese Visionen Wirklichkeit werden. Natürlich: Das klappt nicht immer. Es gibt auch Scheitern, es gibt Enttäuschungen, wenn ich mit anderen Zukunftsprojekte plane. Aber öfter noch gehen Visionen in Erfüllung. 

Wie und wo kann ich gemeinsam Herzensprojekte voranbringen?

Ich will mich von diesem Zukunftsmotto und diesen Zukunftserfahrungen inspirieren lassen, gerade in den nächsten Wochen der Fastenzeit. Wo kann ich mich mit anderen zusammentun und Projekte voranbringen, die mir am Herzen liegen? Vielleicht auch gesellschaftliche und politische Projekte, in diesem Jahr mit den vielen Wahlen. Ich will nicht die Hände in den Schoß legen und mich vor der Zukunft fürchten. Ich will mit anderen Menschen für Liebe und Mitgefühl kämpfen. 

Mitmachen bei der Initiative für Menschenwürde und Demokratie

Zum Beispiel bei der Initiative „Aufstehen für Menschenwürde und Demokratie“. Die Kirchen in Hessen und Rheinland-Pfalz haben sie gestartet vor den anstehenden Wahlen. Sie rufen dazu auf, einzustehen für Vielfalt, Demokratie und Toleranz. Ich überlege, was ich dazu beitragen und was ich organisieren könnte. Vielleicht hänge ich ein Plakat der Initiative in mein Fenster. Vielleicht organisiere ich einen Gottesdienst oder eine Demo für Vielfalt und Toleranz.

Auch so fängt Zukunft an. Bei mir zuhause. Aber ich will auch Zukunftsprojekte anderswo und weltweit unterstützen. In dieser Fastenzeit besonders in Kamerun. Durch Spenden an Misereor oder andere Hilfsorganisationen.

Ich lade euch ein: Seid Teil dieser Zukunft!

Pauline, die junge Unternehmerin aus Douala, sie hat mich beeindruckt. Heute im Gottesdienst zur Misereor-Eröffnung in Hofheim wird sie auch diese Sätze sagen: „Ich lade euch ein: Seid Teil dieser Zukunft. Mit eurem Engagement. Mit eurem Herzen. Dann fängt hier Zukunft an.“

Musik 5: Ayub Ogada: Kothbiro (CD: Music from the Coffee Lands)

Und hier geht's zur: www.misereor.de/fastenaktion