hr2 ZUSPRUCH
hr2
Maschke, Andrea

Eine Sendung von
Andrea Maschke,
Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

00:00
00:00
Die Darstellung zeigt einen modernen Raum mit mehreren Buchregalen, die in geschwungener Anordnung angeordnet sind. Der Boden ist aus dunklem Stein, und die Wände sind hoch und hell. In der Mitte steht ein Tisch, und es gibt eine sanfte Beleuchtung von hängenden Lampen.

Begraben in einer Kirche

Vor wenigen Tagen ist Hessens erste Begräbniskirche eröffnet worden: die Begräbniskirche St. Michael im Frankfurter Nordend. Natürlich gibt es bei uns viele alte Kirchen, in denen auch mal jemand begraben wurde, adelige Stifterfamilien oder Geistliche, aber St. Michael ist anders. Formal gilt diese Kirche jetzt als Friedhof. Bis zu 2500 Urnen können dort Platz finden.

Skepsis vor dem Besuch

Ich war am Abend der Eröffnung da, leider nicht zu Beginn der Feier, bei der eigentlichen Einweihung, da musste ich noch arbeiten, aber im Laufe des Abends. Und ich war überrascht, positiv überrascht. Denn zuvor war ich etwas skeptisch. Vielleicht weil ich die Kirche kannte, als sie noch Gemeindekirche war vor vielen Jahren, und weil ich mir eine Begräbniskirche nicht so recht vorstellen konnte. Vielleicht auch, weil ich mir für mich selbst eher eine Beerdigung in der Erde wünsche, auf dem Friedhof oder auch im Friedwald, jedenfalls in der Erde.

Eine überraschend schöne Atmosphäre

Und dann war es einfach schön dort in St. Michael. Eine einladende Atmosphäre, gar nicht traurig, eher eine Mischung aus heiter und melancholisch-feierlich. Angenehmes Licht, ein schönes kleines Konzert und zwei, drei gute Gespräche.

Wie sieht die Begräbniskirche aus?

In der klassisch- schlichten modernen Kirche stehen jetzt etliche kreisförmige Urnenwände, jeweils an einer Seite offen, sodass innen wie außen in fünf Reihen übereinander Urnen in die Fächer gesetzt werden können. Die erleuchteten Fächer sind mit unterschiedlich getöntem Glas geschlossen. Die Urne darin ist schemenhaft sichtbar. Schon vor der offiziellen Eröffnung sind einige wenige Menschen dort bestattet worden.

Jeder Urnenkreis hat einen besonderen Namen

Jeder Urnenkreis hat einen Namen: Freundlichkeit, Liebe, Treue, Glaube etc. Einer heißt „Eintracht“, was mich schmunzeln lässt. Ob sich das die Architektin so gedacht haben, weiß ich nicht, aber ich hatte spontan die Vorstellung, dass die Verstorbenen, so unterschiedlich ihr Leben auch gewesen sein mag, dort neue Gemeinschaften bilden. Vielleicht ein tröstliches Gefühl für die Trauernden. Viele, die hier ihre Lieben bestatten werden, hoffen ja, dass dort auf der anderen Seite neues Leben wartet.

Eine neue Vorstellung von der eigenen Bestattung

Auf einmal schien mir die Vorstellung, in dieser Kirche bestattet zu werden, gar nicht mehr so fremd.

Was würden die Verstorbenen erzählen?

Kurz vor dem Nachhauseweg ging für einen Moment die Fantasie mit mir durch und ich stellte mir die Stimmen in den Urnenkreisen vor, die miteinander sprachen: „Und, wie war dein Leben, würdest du alles genauso machen?“ Oder, „Erzähl mal, was hat dich glücklich gemacht?“, vielleicht auch: „Schade, das hätte ich gerne noch erlebt.“ Und dann sagte einer im Eintracht-Kreis „Weißt du noch, damals beim Pokalspiel…“.