hr1 ZUSPRUCH
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Kristen, Dr. Peter

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

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Zwei Jungen sitzen auf einer Bank, ihre Köpfe gesenkt und mit traurigen Mienen. Der eine Junge legt eine Hand auf die Schulter des anderen. Im Hintergrund sind ein grüner Rasen und ein Gebäude zu sehen.

Wer ist mein Mitmensch?

Oft höre ich: Ein bisschen mehr Menschlichkeit täte der Welt gut. Mehr Mitgefühl, mehr Nächstenliebe. Heißt es doch: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Nächstenliebe: Zu groß, zu anstrengend?

Aber geht das überhaupt? So zu lieben wie mich selbst, das klingt anstrengend. Eine große Zumutung. Kein Wunder, dass sich die Menschen schon früh gewünscht haben, es ginge auch ein wenig kleiner, handhabbarer.

Wer zählt als Nächster? Die biblische Frage

Vielleicht kann ich ja welche mit guten Gründen nicht als meine Nächsten betrachten, sie von der Nächstenliebe ausnehmen. Dann fühlt es sich gleich nicht mehr so unmöglich an. Genau diese Frage taucht auch in der Bibel auf: Wer genau ist mein Mitmensch? (Lk 10,29) Jesus antwortet nicht mit einer Erklärung, sondern erzählt eine Geschichte:

Das Gleichnis: Vom Wegschauen zum Helfen

Ein Mensch wird überfallen, ausgeraubt, bleibt schwer verletzt liegen. Zwei kommen vorbei, sehen den Verletzten – und gehen weiter. Dann kommt ein Fremder. Er sieht ihn, hat Mitleid, hilft, den Verletzten in Sicherheit zu bringen und will notfalls für die Behandlungskosten aufkommen.

Der entscheidende Moment

Am Ende steht die Frage: Wer von den dreien ist dem Verletzten zum Mitmenschen geworden? Entscheidend ist das „geworden“. Zum Mitmenschen geworden. Man kann zum Mitmenschen werden. Es ist nichts Fertiges, kein Zustand, den man einmal erreicht und dann behält. Es geschieht in dem Moment, wenn einer hinschaut, sich berühren lässt und was tut. In diesem Augenblick wächst Nähe – und Nächstenliebe bekommt ein Gesicht.