Freundlichkeit ohne Hoffnung
Sein Leben klingt wie ein modernes, amerikanisches Märchen. Er heißt Ocean Vuong und ist mit 19 mit seiner Mutter als Flüchtling aus Vietnam in die USA gekommen. In seiner Kleinstadt wird er ausgegrenzt und bekommt nur eine schlecht bezahlte Arbeit. Er arbeitet in einem Fast Food Restaurant, wie so viele andere.
Am Rand der Gesellschaft: Wie findet man seine Stimme?
Ocean Vuong schien am Rand der Gesellschaft festzustecken. Aber dann hat er die Literatur entdeckt und sein außergewöhnliches Schreibtalent. Da hat sich etwas in ihm geöffnet. Heute ist er Bestsellerautor und Professor für kreatives Schreiben an der New York University, wirklich märchenhaft.
Wo entsteht „Freundlichkeit ohne Hoffnung“?
Sein neuer Roman basiert auf seinen Erfahrungen aus der Zeit im Fast-Food-Restaurant. Zwischen Theke und Fritteuse kommen viele unterschiedliche Menschen zusammen. Sie alle wissen genau: Diese Arbeit bietet ihnen keine wirkliche Perspektive für ihr Leben. Gerade in dieser scheinbar trostlosen Arbeitswelt erlebt Ocean Vuong besonders viel menschliche Nähe und Güte. Er nennt das „Freundlichkeit ohne Hoffnung“.
Was meint „Freundlichkeit ohne Hoffnung“ genau?
Er sagt [i]: Ich habe erlebt, dass die Menschen dort freundlich zueinander sind, auch wenn sie nichts dafür zurückbekommen. Das hat ihn berührt. Freundlichkeit ohne Hoffnung, das heißt für ihn: Meine Freundlichkeit erfüllt keinen Zweck, verfolgt kein Ziel, will keine Belohnung.
Reine Menschlichkeit: Güte ohne Zweck
Freundlichkeit ohne Hoffnung ist Menschenfreundlichkeit. Sie hat ihren Sinn nur in sich selbst. Eine Hand, die hilft, eine Geste, die einlädt, ein „Danke“, das keinen Plan verfolgt. Sie ist einfach, was sie ist, ein Ausdruck von Menschlichkeit.
Was sagt Jesus dazu?
Jesus hat das so gelehrt: „Tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erwarten! (Lukas 6, 35b). Ich glaube, in all der Grobheit und Kälte, die in der Welt zunimmt, wächst zugleich eine Art neue Wärme und Zugewandtheit. Sie zeigt: Hoffnung lebt da, wo Menschen einfach gut zueinander sind.
[i] https://www.worldliteratureforum.com/forum/index.php?threads/ocean-vuong.68588/