hr1 ZUSPRUCH
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Tumma, Lisa Maria

Eine Sendung von
Lisa Maria Tumma,
Evangelische Pfarrerin, Rundfunkbeauftragte für den Hessischen Rundfunk

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Eine Gruppe junger Menschen singt begeistert in einem Chor. Sie tragen schwarze Kleidung und zeigen verschiedene Gesichtsausdrücke, die Freude und Energie widerspiegeln. Im Vordergrund steht eine Person, die den Chor anleitet, während die anderen aufmerksam zuhören und mit Begeisterung mitsingen.

Tuneless Choir

„Bitte hör auf zu singen, Nadine! Du ruinierst es für alle anderen!“ – Die Worte des Musiklehrers gehen ihr durch Mark und Bein. Nadine Cooper ist damals gerade 12. Und sie liebt das Singen – laut und innig. Am liebsten zusammen mit anderen. Nur: Sie trifft die Töne nicht. Der Lehrer unterbricht, winkt ab, klagt: „Nadine, hör auf!“ 

Tuneless Choir: Ein Chor für Menschen, die nicht singen können

Aber Nadine hört nicht auf. Sie lässt sich ihre Liebe zum Singen nicht nehmen. Im Gegenteil: Sie macht es richtig groß. Sie sucht sich Mitstreiter, die ihre Leidenschaft teilen und ebenfalls keinen Ton treffen. Gemeinsam gründen sie den Tuneless Choir, auf Deutsch: Der schrille Chor. 

Im Tuneless Choir zählt die Freude, nicht der richtige Ton

Der Name ist Programm: Es gibt weder Vorsingen noch Aufnahmeprüfung. Die Chorleiterin korrigiert nicht, wenn Melodie und Rhythmus daneben liegen. Wenn sich jemand beschwert, dass es wirklich schief klingt, antwortet sie: „Vielleicht bist das ja du selbst!" – Dann lachen alle und stimmen voll Inbrunst den nächsten schiefen Song an. Niemand bemüht sich, besser zu werden.   

Angenommen sein, so wie man ist

Und trotzdem werden es manche. Weil sie immer wiederkommen. Seit Jahren. Weil sie hier nichts beweisen müssen, sondern einfach angenommen sind. Aus diesem Gefühl heraus wachsen sie. So ist es auch mit Gott, glaube ich. Da bin ich auch angenommen – so wie ich bin. Das macht mich leicht und das Leben gut. 

Gemeinsam singen stärkt das Wohlbefinden

Auch Nadine kennt das Gefühl. Singen macht glücklich und baut Stress ab. Besonders das gemeinsame Singen. Das tut doppelt gut, weil man Teil einer Gemeinschaft wird. 

Gemeinsam singen stärkt das Wohlbefinden

Im Tuneless Choir ist die bunt und vielfältig: Da singen Junge und Alte zusammen, Menschen mit und ohne Behinderung, mit unterschiedlichen Muttersprachen und kulturellen Wurzeln. Das scheint hier niemandem etwas auszumachen. Weil sie alle etwas verbindet: Sie können nicht singen – aber sie lieben es!

Gemeinsam singen stärkt das Wohlbefinden

Das wünsche ich mir auch fürs Miteinander: Ein Leben zusammen, das nicht fragt: Was schaffst du? Sondern: Was haben wir gemeinsam? Diesen Gedanken hochhalten, stark machen. Und dann: Kräftig mit einstimmen. 

Wenn gemeinsames Singen Menschen zusammenbringt

Der Tuneless Choir wird mittlerweile sogar für Konzerte gebucht. Nicht, weil er gut klingt, sondern weil dann auch das Publikum miteinstimmt. Nicht schön, aber leidenschaftlich – und darin verbunden.