hr1 ZUSPRUCH
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Porträt einer lächelnden Frau mit grauem, kurzem Haar und einer modischen Brille. Sie trägt ein dunkles Oberteil und eine Perlenkette. Der Hintergrund ist weich und neutral gehalten.

Eine Sendung von
Almut Siodlaczek,
Sozialarbeiterin und Diakonin Ev.-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), Ober-Ramstadt

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Mit allen Frieden

In unserer Nachbarschaft wird gebaut. Mit Lärm ist es los gegangen. Schon morgens früh, als ich noch gar nicht wach war. 

Streit in der Nachbarschaft 

Und dann ist plötzlich und ohne Ankündigung auch noch eine Zufahrt gesperrt. Wir können nur noch über einen Umweg auf unseren Stellplatz fahren. Glücklicherweise brauche ich das Auto nur selten.

Bitterböse E-Mail? Wenn der Ärger hochkocht

Aber es ärgert mich. Ich überlege, ob ich eine bitterböse E-Mail an die Verantwortlichen schreiben soll. Die ersten Sätze habe ich schon im Kopf. Dann denke ich an einen anderen Satz. Er steht in der Bibel: „Lebt mit allen Menschen im Frieden, soweit das möglich ist und es an euch liegt.“ (Römerbrief 12,18)

Frieden halten: Ein hoher Anspruch

„Lebt mit allen Menschen im Frieden“ ist ein riesiger Anspruch. Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. Andererseits: Mein Frieden ist ja auch gestört – mit der Baustelle und der gesperrten Straße.

Warum die Bibel Verantwortung begrenzt

Auch in der Bibel kommt nach dieser steilen Aussage eine Einschränkung: „Haltet Frieden - soweit das möglich ist und es an euch liegt.“ Das begrenzt meine Verantwortung. Die geht nur so weit, wie ich sie tragen kann. Denn zum friedlichen Zusammenleben gehört mehr als einer.

Was, wenn der andere keine Rücksicht nimmt?

Was ist, wenn der andere einfach keine Rücksicht nimmt. Oder schlimmer: Sogar piesackt und Streit vom Zaun bricht?

Die Baustelle in unserer Nachbarschaft hat für ordentlich Staub und Krach gesorgt. Das war störend. Aber es war ja nicht böse gegen uns gerichtet.

Geduld und Verständnis statt Wut-Mail

Also versuche ich, meinen Teil zum Frieden beizutragen: Keine Wut-E-Mail, sondern Geduld. Und Verständnis für die Bauarbeiter. Sie haben schon so früh am Morgen anfangen, damit sie der Hitze am Nachmittag halbwegs entgehen. Der Umweg mit dem Auto hat trotzdem genervt.

Ärger nicht sofort rauslassen: Zeit vergehen lassen

Frieden halten heißt nicht: Ich ärgere mich nie. Sondern: Ich entscheide, was ich mit dem Ärger mache. Das fällt manchmal schwer. Mir hilft es, wenn ich nicht sofort reagiere. Ein bisschen Zeit vergehen lassen, dann ist schon viel Ärger verraucht.
Und aus dem Abstand entsteht oft ein neuer Blick.