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Findeis-Dorn, Christine

Eine Sendung von
Christine Findeis-Dorn,
Supervisorin/Coach DGSv, Wiesbaden, katholisch

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Eine Hand gibt eine Münze in die offene Hand einer anderen Person. Die Hände sind in Nahaufnahme zu sehen, mit Fokus auf den Moment der Übergabe der Münze.

Ohne Geld

Im Urlaub hatte ich Geldbeutel und Handy in der Ferienwohnung vergessen. „Egal, ich will ja nur bis zum nächsten kleinen Ort laufen“, hab‘ ich gedacht, als es mir aufgefallen war. 

Unterwegs mit nur fünf Euro

Ein paar Kilometer später war ich angekommen. Das Laufen hatte mich hungrig gemacht. In meiner Hosentasche fand ich glücklicherweise einen Fünf-Euro-Schein. Ich musste mich entscheiden: Cappuccino oder belegtes Brötchen. Am liebsten beides, aber dafür hätte der Fünfer in diesem Ferienort nicht gereicht.

Wie fühlt sich Leben ohne Geld an?

So bin ich durch den schönen Ort gelaufen. Restaurants, Cafés, Eisdielen, Klamottenläden, Drogerien, ein schöner Buchladen. Überall Einladungen zum Konsumieren. Und mit meinem Geldbeutel oder Handy in der Tasche hätte ich bestimmt einiges Geld ausgegeben, gerade an so einem Urlaubstag.  

Aber ich habe für ein paar Stunden gespürt, wie es ist: Ohne Geld unterwegs zu sein. Wie es ja vielen geht, die mit jedem Cent rechnen müssen und keine fünf Euro für ein belegtes Brötchen hinlegen können. Alleinerziehende zum Beispiel oder Menschen mit kleiner Rente. Erwerbs- oder wohnungslose Menschen, Flüchtlinge. Besonders auch: Menschen, die Unterstützungsleistungen in Form von Gutscheinen bekommen. Die können sie in bestimmten Läden einlösen. Aber ein Eis ist da nicht drin, kein Kaffee, kein Einkauf im Secondhandladen. 

Bezahlkarten oder finanzielle Selbstbestimmung

Die Idee dahinter ist: So können Unterstützungsleistungen weniger missbraucht werden, z.B. dadurch, dass Flüchtlinge Geld in ihr Heimatland schicken. Andere sehen Bezahlkarten oder Geldgutscheine kritisch, ich auch: Es gehört zur Würde des Menschen, finde ich, selbst zu entscheiden, was ich mit meinem Geld mache und wo ich etwas kaufe, auch und gerade, wenn ich nur wenig habe.  

Gutscheine gegen Bargeld tauschen

Es gibt deshalb Menschen und Initiativen, die bieten Tauschmöglichkeiten an: Bezahlkarten gegen Bargeld. Sie überprüfen die Bezahlkarten und vermitteln - zwischen Menschen, die Bargeld für Gutscheine tauschen und denen, die Bargeld brauchen. 

Menschenwürde durch mehr Unabhängigkeit

Mir hat der eine Urlaubstag mit nur fünf Euro eine winzige Idee gegeben, wie es sich anfühlt, wenn ich mir nichts kaufen kann. Und deshalb gehe ich jetzt ab und zu dienstags zu einer Kontaktstelle in Wiesbaden, wo ich für Bargeld Gutscheine tauschen kann. Ganz legal übrigens. Und ermögliche Benachteiligten damit ein ganz kleines Stück Unabhängigkeit – aus Respekt.