Kritisch zuschauen!
Heute ist ein Tag, der mein Herz als Fußballfan höherschlagen lässt. Heute beginnt die Fußballweltmeisterschaft. Ich erinnere mich noch: Als junger Mensch war ich früher schon Wochen vorher aufgeregt und habe mich über alle Mannschaften, Spielorte und Spiele bestens informiert. Das ist heute nicht mehr so. Denn ich sehe nicht zum ersten Mal: Bei meinem Lieblingssport Fußball geht es immer mehr um Geld und Selbstdarstellung von Prominenten als um das eigentliche Spiel. Dazu gefällt mir nicht so ganz, was in den USA passiert, in dem diese WM hauptsächlich stattfindet. Und so stehe ich als Fan wieder mal vor dem Dilemma: Soll ich dieses Mal erst gar nicht zuschauen, um nicht ein Teil von all dem zu sein, oder schaue ich wie sonst jedes Spiel, was ich sehen kann, und genieße den Sport.
Das Dilemma wegen der Vorbehalte gegen diese WM
Das hat mich ins Grübeln gebracht. Aber jetzt weiß ich, wie ich es machen will: Ich will ein kritischer Zuschauer sein. Das bedeutet: Ich schaue mir die Spiele, die mich interessieren, an. Ich weiß ja: Für die Spieler, die dabei sind, erfüllt sich oft ein Lebenstraum und sie können ja nichts für die Umstände. Aber: Ich bin bereit, damit sofort aufzuhören, wenn ich merke: Minderheiten und Geflüchtete in den USA werden unterdrückt, Kriege und Konflikte kleingeredet, das Maß von Kommerzialisierung – wie zum Beispiel der Preis der Eintrittskarten - überschreitet jedes Maß. Dann will ich kein Teil mehr von dem Spektakel sein und schalte ab. Ich hoffe, dass das nicht passiert und dass es eine friedliche und fröhliche Weltmeisterschaft wird. Im besten Fall kann so ein Turnier zeigen, dass ein friedliches und faires Miteinander der Nationen möglich ist.
Niemand weiß, wie es ausgeht
Vor allem aber freue ich mich ab heute auf gute Fußballspiele, getreu der alten Weisheit von Sepp Herberger: „Fußball ist deshalb so spannend, weil niemand weiß, wie es ausgeht.“ Ich merke an mir: Auch der kritische Zuschauer freut sich auf die WM!