hr2 ZUSPRUCH
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Maschke, Andrea

Eine Sendung von
Andrea Maschke,
Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

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Eine Gedenktafel zu Ehren von Edith Stein, die am 31. Dezember 1938 betete. Sie wurde 1891 geboren, lebte von 1933 bis 1938 im Karmel in Köln, flüchtete am 31.12.1938, wurde interniert und am 9. August 1942 in Auschwitz ermordet.

Edith Stein

Edith Stein, das war eine Sucherin, eine Wahrheitssucherin: Philosophin, Wissenschaftlerin, Jüdin und engagierte christliche Ordensfrau. Heute wäre sie 135 Jahre alt geworden. Ok, so alt wird niemand. Aber Edith Stein konnte auch ihren 60. oder 70. Geburtstag nicht feiern, denn sie wurde 1942 von den Nazis in Auschwitz umgebracht, da war sie 50.

Kindheit in einer jüdischen Familie

Ihr Leben hat sehr viele Facetten, eine davon spielt auch in Frankfurt, aber davon später mehr. Geboren wird sie in Breslau als jüngstes Kind einer großen jüdisch-orthodoxen Familie. Sie hadert mit dem Glauben und den Traditionen der Familie, mit 14 bezeichnet sie sich selbst Atheistin.

Hochintelligent und innerlich auf der Suche

Nach dem Abitur beginnt sie ein breit angelegtes Studium, hoch intelligent und innerlich auf der Suche. Während des Ersten Weltkriegs promoviert sie beim bekannten Philosophen Edmund Husserl – und erfährt schmerzhaft, dass Frauen im Universitätsbetrieb damals noch keine Chance hatten. Sicher wäre sie eine gute Professorin geworden.

Dann begegnet sie wieder dem christlichen Glauben

Durch persönliche Begegnungen kommt sie mit dem christlichen, genauer dem katholischen Glauben so in Berührung, dass sie sich damit beschäftigen „muss“. Vor allem die Art, wie eine gläubige Freundin mit dem Verlust ihres jungen geliebten Mannes im Krieg umgeht, beeindruckt sie tief.

Die Marktfrau im Frankfurter Dom beeindruckt sie

Aber eben auch viele andere Erfahrungen, so hat Edith Stein selbst etwa von einem Erlebnis im Frankfurter Dom erzählt: Sie war mit ihrer katholischen Freundin dort, die beiden sahen sich ehrfürchtig um. Da kam eine Marktfrau mit ihrem Korb, kniete sich nieder in der Bank, betete und ging wieder. Das hat bei Edith Stein einen tiefen Eindruck hinterlassen. Da kommt jemand nicht etwa zum Gottesdienst, sondern einfach so, mitten am Tag aus dem Alltagsgeschäft zum Gebet, wie zu einer Art kurzem Treffen mit Gott.

Teresa von Avila verändert ihr Leben

Wie es für sie typisch ist, beschäftigt sich Edith Stein dann auch intellektuell mit den christlichen Schriften. Und es ist die Autobiographie der großen Teresa von Avila, die letztlich den entscheidenden Ausschlag gibt. Sie verschlingt das Buch mit der Lebensgeschichte und den Gedanken dieser großen emanzipierten Heiligen förmlich in einer Nacht und hat darin endlich gefunden, wonach sie so gesucht hat, ihre Wahrheit.

Edith Stein lässt sich 1922 katholisch taufen, arbeitet dann als Lehrerin und tritt 1933 in Köln in den Orden der Karmelitinnen, den Karmel, ein. Ab da trägt sie den Ordensnamen Teresia Benedicta vom Kreuz.

Jüdin und Christin

Als Christin kann sie auch ihre jüdischen Wurzeln wieder mehr wertschätzen. 1938 flüchtet sie, zusammen mit ihrer Schwester Rosa, in ein holländisches Kloster. Doch auch das kann das Leben der Schwestern nicht retten. Im August 1942 werden sie nach Ausschwitz deportiert und wohl kurz nach der Ankunft dort ermordet. Edith Stein stirbt so als Jüdin und Christin.

Warum lohnt es sich, an diese starke Frau zu erinnern?

Warum es sich lohnt, sich an Edith Stein zu erinnern? Für mich ist sie eine starke Frau, in vielem ihrer Zeit voraus, eine, die auf der Suche war nach der Wahrheit und dann dafür eingestanden ist. In der katholischen Kirche wurde sie heiliggesprochen, in der evangelischen gilt sie als Glaubenszeugin. Und ich muss oft an sie denken, wenn ich den Frankfurter Dom betrete.