hr1 ZUSPRUCH
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Tumma, Lisa Maria

Eine Sendung von
Lisa Maria Tumma,
Evangelische Pfarrerin, Rundfunkbeauftragte für den Hessischen Rundfunk

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Ein Mann schiebt einen Rollstuhl, in dem eine ältere Frau sitzt. Sie trägt eine graue Mütze und einen blauen Pullover. Im Hintergrund ist ein ruhiger See und eine Promenade zu sehen, während andere Personen vorbeigehen.

Lieblingsmenschen

Agnes ist 101. Und damit zu jung fürs Altersheim. Zumindest findet sie das. Alleine leben kann sie aber auch nicht mehr. Die Lösung: Ein Mitbewohner. Die Wahl fällt auf Amir. Er ist gerade einmal 31 und kommt aus dem Iran. Von dort musste er fliehen. Er ist schwul, und im Iran droht ihm dafür die Hinrichtung. 

Eine ungewöhnliche WG: Zusammenleben trotz großer Unterschiede

Agnes ist erstmal skeptisch. Trotzdem gründen die beiden eine WG. „Aber alles rein zweckmäßig“, betont sie. Zumindest am Anfang. 

Dann lernen sie sich kennen. Amir kocht persisch: Safranreis, Datteln, Kebab. Agnes findet: „Kann man nicht meckern.“ Und Agnes bringt Amir das Tanzen bei – schon immer ihre Leidenschaft.

„Lieblingsmenschen“: Ein Film über Freundschaft und Zusammenhalt

Wie es weitergeht, erzählt der Film „Lieblingsmenschen“. In zwei Wochen kommt er ins Kino und ich kann es kaum erwarten – Ich will wissen: Wie entsteht diese außergewöhnliche Freundschaft? 

Wenn aus Zweckgemeinschaft echte Nähe wird

Angefangen hat sie so: Agnes braucht Gesellschaft, Amir eine Wohnung. Das hätte gereicht für eine gute Geschichte - wie die beiden lernen, miteinander auszukommen – trotz aller Unterschiede. 

Dann öffnen sie sich. Sie erzählen vom Krieg. Vorm Trauern und Vermissen. Das kennen beide. Auf einmal ist die Frage nicht mehr: Was bringt mir der andere? Sondern: Wer ist dieser Mensch? Und was hat ihn geprägt? 

Gemeinsam Erinnerungen teilen und einander verstehen

Das Café Kranzler, wo Agnes früher so gerne getanzt hat. Das besuchen sie zusammen. Und Amirs verstorbener Lebensgefährte, zuhause im Iran. Gemeinsam schauen sie die alten Bilder an. Das sind Momente, wo aus Mitbewohnern „Lieblingsmenschen“ werden.

Was echte Freundschaft im Alltag ausmacht

So spektakuläre Freundschaften wie zwischen der 101-jährigen Berlinerin und dem jungen Iraner werden die meisten von uns nicht erleben. Oft sind sie alltäglicher: Kolleginnen, Nachbarn, Menschen im Sportverein. Aber auch da gibt es diese Momente: wenn ich aufhöre zu fragen, was jemand kann – und hinhöre und sehe, wer er wirklich ist. Was ihn begeistert. Was er vermisst. 

Echte Freundschaft beginnt mit Hinsehen

So wächst eine Verbindung, die trägt. Auch, wenn es hart auf hart kommt. Das erleben auch Amir und Agnes. Ihre Freundschaft wird auf die Probe gestellt: Agnes kommt ins Krankenhaus, Amir droht die Abschiebung. Wie es ausgeht, werde ich erst im Kino sehen. Was ich jetzt schon weiß: Echte Freundschaft beginnt mit Hinsehen.