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Tumma, Lisa Maria

Eine Sendung von
Lisa Maria Tumma,
Evangelische Pfarrerin, Rundfunkbeauftragte für den Hessischen Rundfunk

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Eine lächelnde ältere Frau und eine jüngere Frau stehen in einer Küche. Die ältere Frau hält einen Teller in der Hand, während die jüngere Frau mit einem Löffel in einem Topf rührt. Beide scheinen gemeinsam zu kochen und genießen den Moment.

Miet-Oma

Einen Knopf annähen, eine Naht flicken, Lederschuhe richtig pflegen: Das hat mir meine Oma beigebracht. Sie war geduldig, hat mir zugehört – und tut es immer noch. Ein großes Glück für mich. 

„OK Obaachan“: Omas mieten in Japan

Nicht jeder hat so eine Großmutter. Viele wünschen sie sich. In Japan gibt es dafür jetzt ein Angebot: „OK Obaachan“, auf Deutsch: „Okay, Oma!“[1]

Eine Großmutter mieten: Lebenserfahrung gegen Bezahlung

Dort kann man sich eine Großmutter mieten. Die Frauen sind zwischen 60 und 94 Jahre alt. Nicht alle haben Kinder und Enkel. Das ist keine Voraussetzung. Das einzige, was sie mitbringen müssen: die Erfahrungen eines langen Lebens. 

Was Miet-Omas anbieten: Zuhören, Rat und Alltagshilfe

Mit dieser Erfahrung bieten sie an, was sie können: Eine zeigt, wie traditionelle Hausmannskost gelingt. Andere betreuen Kinder als Ersatzoma. Eine schreibt Briefe mit schönster Handschrift. Eine andere unterstützt bei Streit in der Familie. Und manche bieten einfach Zeit an. Sie erzählen, wie das Leben früher war, welche Krisen sie überstanden haben. Sie hören zu – mit großmütterlicher Geduld. Und vielleicht gibt es sogar einen guten Rat aus dem reichen Schatz der eigenen Lebenserfahrung. 

Wenn Alter und Lebenserfahrung einen Wert bekommen

Für diese Dienste bekommen die Frauen Geld. Etwa 25 Euro die Stunde. Das ist wichtig. Denn in Japan sind viele alte Menschen von Armut bedroht – besonders Frauen. Sie brauchen den Lohn. Der Verdienst verändert ihr Leben. Aber noch etwas verändert sich: Die Frauen spüren, dass sie gebraucht werden. Dass ihre Erfahrung einen Wert hat. Ein unbezahlbares Gefühl.

Was ältere Menschen uns geben können

Ob ich mir eine Oma mieten würde, wenn ich keine hätte? Ich weiß es nicht. Aber ich finde das Angebot spannend. Denn es verändert den Blick: Ältere Menschen, besonders Frauen, gelten schnell als unproduktiv, tattrig oder werden gleich ganz übersehen. 

Weisheit kann man in keinem Online-Kurs lernen

Die Miet-Omas zeigen: Das ist ein Irrtum. Sie haben was zu bieten, was man in keinem Online-Kurs lernen kann: Weisheit. Das Wissen, wie man lebt. Wie man Schwierigkeiten aushält. Fast ein ganzes Leben voller Erfahrung. Zeit, dass das gesehen wird.

 [1] mymodernmet.com/grandma-rental-service-japan/