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Seeger, Andrea

Eine Sendung von

Evangelische Theologin, Oberursel

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Kriegsdienst – eine Frage des Gewissens

Anmoderation: In den kommenden zehn Jahren braucht Deutschland rund 260.000 Soldatinnen und Soldaten. Derzeit sind es etwa 180.000. Mit dem neuen Wehrdienstgesetz will die Bundesregierung die Lücke schließen. In den nächsten Tagen bekommen alle 18-Jährigen Post von der Bundeswehr. Andrea Seeger von der evangelischen Kirche fragt, was das für die jungen Menschen bedeutet: 

Junge Menschen und die Frage nach dem Wehrdienst

„Was kannst du für dein Land tun?“ Diese Frage diskutieren viele Familien seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Das ist auch Thema bei uns am Küchentisch. Paul, der Jüngere meiner beiden Söhne, sagt: „Ich würde mein Land verteidigen, auch mit der Waffe in der Hand.“ Carl, der Ältere, möchte auf keinen Fall schießen. Er sieht sich eher in zweiter Reihe, im Einsatz für ältere Menschen oder beim Sandsäckeschleppen. 

Die neue Wehrdienstbefragung der Bundeswehr

Für Paul und Carl ist es graue Theorie, sie sind über 30. Für Jüngere wird es jetzt ernst: Alle 18 Jährigen bekommen in den nächsten Tagen Post von der Bundeswehr. Jeder Mann muss den Fragebogen beantworten, Frauen und Menschen anderen Geschlechts steht es frei. Bis zur verpflichtenden Musterung wird es dauern, noch fehlen Gebäude und Ausstattung.

Gewissensprüfung und christliche Verantwortung

Deshalb erstmal nur die Frage: Kommt der Dienst bei der Bundeswehr für mich in Frage? Dafür müssen die jungen Menschen prüfen: Was kann ich mit meinem Gewissen vereinbaren? Das Gewissen ist die wichtigste moralische Instanz im Menschen - eine Art innerer Gerichtshof: Was ist richtig, was falsch? Für mich als Christin heißt das auch: Was kann ich vor Gott verantworten?

Wo finde ich Unterstützung bei der Entscheidung? 

Und wenn mein Gewissen nicht eindeutig ist? Dann hilft die Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf von der Evangelischen Kirche. Sie empfiehlt die Broschüre „Finde deinen Weg“ - eine Anleitung für junge Menschen, sich selbst auf den Grund zu gehen, ihr Gewissen zu erforschen. 

Die Friedenspfarrerin geht davon aus, dass sich mit den Fragebögen genügend junge Leute finden werden. 2600 Euro Gehalt und sechs Monate Grundwehrdienst sind attraktiv. 

Zivildienst als echte Alternative

Ziemlich gut findet sie in dem Bogen die letzte Frage. Die lautet: „Hättest du Interesse an einem zivilen Dienst?“ Wer hier „ja“ ankreuzt, wird weitergeleitet zu zivilen Einrichtungen wie Technischem Hilfswerk, Katastrophenschutz oder Rotem Kreuz. Damit sind die die unterschiedlichen Gewissensentscheidungen meiner Söhne abgedeckt.

Für unsere Gesellschaft ist beides gleich wichtig.