Junger Wein in alten Schläuchen?
Uns hat es mächtig durchgeschüttelt. Das vergangene Jahr hat uns als Pfarrei und als Team sehr herausgefordert. Während ein Kollege in den wohlverdienten Ruhestand gewechselt ist, erhielt ein anderer Anfang des Jahres eine Krebsdiagnose.
Verluste und Umbrüche
Kaum ein halbes Jahr später mussten wir schmerzvoll von ihm Abschied nehmen. Plötzlich war alles anders und ist es immer noch. Nicht nur, dass diese Kollegen als Mensch fehlen und eine große Lücke hinterlassen, auch unsere Arbeit, die Strukturen, alle Abläufe wurden auf den Kopf gestellt.
Kann das Alte und Bewährte noch standhalten?
Es zeigte sich schnell, dass das Konzept mit den neuen Zuständigkeiten an seine Grenzen kommt. Nicht nur das Konzept, sondern auch ich. Wie ein Berg lagen all die Aufgaben vor mir, denn ich merkte: Es braucht eine Neugestaltung, damit auch ich wieder voll dahinterstehe. Vor allem in Sachen Erstkommunionvorbereitung, meine Herzensangelegenheit. Kein Flickwerk, sondern ein komplett neu organisierter Prozess.
Ein Evangelium als Wendepunkt
Und genau in dieser Situation, in diesen Zeiten des Umbruchs habe ich eine spezielle Stelle des Evangeliums neu verstanden. Jesus sagte einmal zu seinen Zuhörern: “Niemand näht ein Stück neuen Stoff auf ein altes Gewand; denn der neue Stoff reißt vom alten Gewand ab und es entsteht ein noch größerer Riss. Auch füllt niemand jungen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren und die Schläuche sind unbrauchbar. Junger Wein gehört in neue Schläuche.” (Mk 2,21 f)
Gemeinsam Neues entwickeln
Ich bin in die Offensive gegangen und habe nicht allein entschieden, sondern mich auch mit der Gemeinde ausgetauscht, auch und vor allem mit den Eltern. Gemeinsam haben wir ein für unsere Pfarrei passendes neues Format in Sachen Erstkommunion entwickelt. Das tat unheimlich gut, gerade jetzt auf diese Fürsprache zu bauen.
Neuer Wein aus neuen Schläuchen
Und ein bisschen fühlt es sich an wie junger, spritziger Wein, der im neuen Schlauch reifen darf. Nicht jede Geschmacksnuance ist schon voll entwickelt und manches wird im Laufe der Zeit sicher noch die eine oder andere Überraschung bereithalten. Aber ich freue mich auf den neuen Wein: auf all das Neue, was nun werden darf. Für heute will ich mir behalten, dass es manchmal gut ist, neu zu denken und ganz neu anzufangen – im Großen und in den Kleinigkeiten des Alltags.