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Dörken-Kucharz, Dr. Thomas

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

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Er ist's!

Moderator/in: Morgen am 1. März beginnt für die Meteorologen der Frühling, gefühlt aber ist er schon seit ein paar Tagen da. Die Temperaturen erreichen bis zu 20°. Der Winter war lang und schneereich, aber jetzt gehören Frieren, Frost und Flocken der Vergangenheit an. Pfarrer Thomas Dörken-Kucharz aus Frankfurt begrüßt mit uns die neue Jahreszeit:

Endlich Frühling – die Freude draußen spüren

Endlich! Endlich ist er da: der Frühling! Die Natur erwacht. Vögel zwitschern um die Wette, Schneeglöckchen blühen, die Sträucher und Bäume sind übersät mit Knospen. Und die Menschen drängen ins Freie. Tanken Sonne, flanieren, lachen. Die Straßencafés sind voll. Hauptsache: draußen sein.

Frühling genießen - mit allen Sinnen

Frühling. Wie schön! Man kann ihn sehen, hören, fühlen und riechen. Kaum jemand hat das treffender beschrieben als der Dichter Eduard Mörike. Vor knapp zweihundert Jahren (1829) schrieb er sein bekanntestes Gedicht:

„Frühling lässt sein blaues Band“ – ein Klassiker neu betrachtet

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land...

Warum “blaues Band”? 

Ich habe das Gedicht in der Schule gelernt. Schon damals habe ich mich und meine Lehrerin gefragt: Wieso eigentlich ein „blaues“ Band? Der Himmel kann damit ja nicht gemeint sein. Der ist schließlich auch bei klirrender Kälte tiefblau. Beim Blick nach draußen wäre für den Frühling doch viel einleuchtender „grünes Band“ oder „buntes“. 

Aber heute denke ich: Wenn ich das Staunen beschreiben will, das der Frühling auslöst, dann ist Blau genau richtig.

Blau war nämlich für Mörike und seine Zeitgenossen die Farbe der Sehnsucht, der Unendlichkeit und des Geheimnisses; ja, die Farbe Gottes. 

Vom Wunder des Neubeginns – was Frühling mit Glauben verbindet

Das Band des Frühlings ist blau, weil der Frühling eben nicht selbstverständlich ist. Er kommt zwar jedes Jahr wieder, doch jedes Jahr wieder überrascht er mich. Vor zwei Wochen noch Schneechaos, heute sprießen die Krokusse. Die Natur erwacht nicht auf Befehl, nicht nach Kalender. Sondern von innen. Still. Beharrlich. Dieses Erwachen ist ein Wunder, das mich tief berührt. Das mein Sehnen weckt nach unbeschwertem, frohem Leben. Und mich verwandelt – jedes Jahr aufs Neue.