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Vogt, Dr. Fabian

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Frankfurt

Osterspaziergang: Hier bin ich Mensch!

Moderator/in: Der erste Tag nach dem Oster-Wochenende: Die einen haben einen Kurztrip gemacht oder Familie besucht, andere waren im Gottesdienst oder haben es sich einfach gut gehen lassen.

Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche: Heute startet der Alltag wieder. Oder können wir das Gefühl von Ostern noch irgendwie ein bisschen bewahren?

Goethe und der Osterspaziergang – mehr als nur Tradition?

Fabian Vogt: Ich halte mich da gerne an unsern Frankfurter Bubb Goethe. Der empfiehlt: Mach einen Osterspaziergang. Was man ja nicht nur am Ostersonntag, sondern auch in den Tagen danach machen kann. 

Goethes Gedicht „Der Osterspaziergang“ sagt: Dieses Gefühl von Ostern, von der Auferstehung, das muss man erleben, am eigenen Leib. Wer bei einem Spaziergang die aufblühende Natur entdeckt, der spürt ganz viel von der zauberhaften Kraft des Neuanfangs. Der Frühling verdrängt den Winter. Goethe schreibt: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche.“ Ja, er ist sogar überzeugt: „Hier ist des Volkes wahrer Himmel.“ Weil die Natur uns vor Augen führt, wie ein Neuanfang, wie Auferstehung aussieht. 

Spaziergang als spirituelles Erlebnis – funktioniert das wirklich?

Moderator/in: Das klingt fast zu einfach. Einfach rausgehen – und schon spür ich was von Auferstehung?

„Hier bin ich Mensch“ – Goethes Antwort auf das Ostergefühl

Fabian Vogt: Ja, wirklich! Goethes Gedicht endet mit einem berühmten Jubelruf. Die Leute jauchzen: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“ Finde ich eine unfassbar schöne Formulierung für dieses Frühlingsgefühl: „So, wie ich bin, darf ich sein. Hier bin ich ganz mit mir im Reinen.“ Und es klingt auch an: „Genauso, wie es jetzt ist, ist es gut.“

Wenn das kein beglückendes Gefühl ist. Und passt zu Ostern: Wenn Menschen in der Bibel Gott begegnen, machen sie oft genau diese Erfahrung: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“