Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf
„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.“ So lautet ein alter lateinischer Satz: Homo homini lupus est. Er stammt aus der Antike und beschreibt eine Erfahrung, die leider bis heute aktuell ist. Menschen verletzen einander. Sie kämpfen um Macht, grenzen aus, machen einander das Leben schwer. Ein Blick in die Nachrichten genügt manchmal, um zu glauben: Ja, da ist durchaus etwas Wahres dran.
Homo homini lupus est - eine alten Wahrheit?
Auch Jesus macht seinen Jüngern nichts vor. Im zehnten Kapitel des Matthäusevangeliums sagt er: „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.“ Das klingt nicht gerade beruhigend. Jesus verspricht seinen Freunden kein einfaches Leben. Er weiß, dass sie auf Widerstand stoßen werden. Dass sie missverstanden, verspottet oder sogar verfolgt werden.
Jesus sendet seien Jünger wie Schafe unter Wölfe
Und doch fällt auf: Jesus fordert seine Jünger nicht auf, selbst zu Wölfen zu werden. Er sagt nicht: Kämpft mit denselben Mitteln zurück. Seid stärker, härter oder lauter.
Seine Antwort ist eine andere. Die Macht des Glaubens beginnt dort, wo der Kreislauf der Gewalt unterbrochen wird. Wo einer nicht mit Hass auf Hass antwortet. Wo Versöhnung wichtiger wird als Rechthaben. Wo Menschen einander nicht als Gegner sehen, sondern als Geschwister. Vielleicht müsste der alte Satz deshalb neu geschrieben werden.
Nächstenliebe statt Gewalt
Nicht mehr: Homo homini lupus est – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Sondern: Homo homini caritas est. Der Mensch ist dem Menschen Liebe. Oder einfacher gesagt: Der Mensch wird dem anderen zum Nächsten. Das geschieht nicht von selbst. Es braucht Mut. Denn Nächstenliebe ist keine Schwäche. Sie ist eine Entscheidung. Jeden Tag neu.
Wie der Glaube die Welt verändern kann
Ich glaube: Genau darin verändert der Glaube die Welt. Nicht auf einen Schlag. Aber von Mensch zu Mensch. Mit einem freundlichen Wort statt einer scharfen Bemerkung. Mit Vergebung statt Vergeltung. Mit offenen Händen statt geballten Fäusten.
Jesus schickt seine Jünger mitten unter die Wölfe. Aber er schickt sie nicht, damit sie lernen zu beißen. Sondern damit sie zeigen: Gottes Liebe ist stärker als die Angst. Und wo Menschen beginnen, aus dieser Liebe zu leben, da verliert der Wolf langsam seine Macht.