Teilhabe durch Vielfalt
Es kommt nie und nimmer darauf an,
was wir vom Leben zu erwarten haben.
Vielmehr lediglich darauf:
Was das Leben von uns erwartet.
Dieses Zitat von Viktor E. Frankl hat mich in den vergangenen Tagen sehr beschäftigt. Der Begründer der Logotherapie und Holocaust-Überlebende formuliert damit eine Haltung, die mich tief berührt. Gelesen habe ich diesen Satz an einem ehemaligen Wehrturm der Dillinger Stadtmauer – heute ein Erinnerungsort für die Opfer des Nationalsozialismus.
Trotz aller Unterschiede ein gemeinsames Ja zum Leben wagen
Die Worte treffen mich in meiner eigenen Lebenssituation. Ich arbeite für Inklusion und damit für Vielfalt in unserer Gesellschaft. Da frage ich mich: Was erwartet das Leben heute von mir? Gerade in einer Zeit, in der das Lebensrecht aller Menschen infrage gestellt wird und Vielfalt an vielen Stellen auf Ablehnung stößt.
Wie kann ich trotz aller Unterschiede und Grenzen ein gemeinsames Ja zum Leben wagen? Und wie kann ich mich dafür einsetzen, dass jeder Mensch dazugehören und teilhaben kann?
Im Caritasverband Behindertenhilfe und Psychiatrie gibt es deshalb das Aktionsbündnis „Teilhabe durch Vielfalt“. Es setzt sich besonders dafür ein, dass auch Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Liebe zeigt sich im Handeln
Die Worte Viktor E. Frankls erinnern mich an die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte. Zugleich sind sie für mich ein Auftrag. Sie laden mich ein, nicht zuerst um die eigenen Erwartungen zu kreisen, sondern Verantwortung für das Leben und für die Menschen um mich herum zu übernehmen.
Das passt für mich gut zu dem, was Jesus in der Bibel sagt: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. Diese Nächsten sind unterschiedlich, vielfältig und einzigartig. Gerade darin liegt ihre Würde. Jeder Mensch hat seinen Platz und seine Aufgabe in dieser Welt.
Vielleicht beginnt genau dort die Antwort auf Frankls Frage: Indem wir nicht nur fragen, was wir vom Leben erwarten, sondern jeden Tag neu überlegen, was das Leben von uns erwartet.