hr1 ZUSPRUCH
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Hartmann, Christoph

Eine Sendung von
Christoph Hartmann,
Lehrer und Referent für katholische Schulpastoral, Fulda

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1996: Aufbruch, Hoffnung, Wind of Change

Wenn ich heute die Uhr gut 30 Jahre zurückdrehe, dann sehe ich einen jungen Abiturienten voller Zuversicht! 1996 habe ich mein Abitur gemacht. Die Berliner Mauer war gefallen. Der Kalte Krieg gehörte der Vergangenheit an. 

Damals: eine Welt voller Zuversicht

Der Kommunismus schien überwunden. Es war eine Zeit voller Aufbruchsstimmung. Die Scorpions sangen Wind of Change – und dieses Lied traf den Zeitgeist. Vieles schien plötzlich möglich. Die Hoffnung auf eine friedlichere und freiere Welt löste damals viel Lebensoptimismus aus. 

Heute: weltweite Krisen

Heute, gut drei Jahrzehnte später, hat sich manches verändert. Kriege sind nach Europa zurückgekehrt. Die Welt rüstet auf. Konflikte und Spannungen prägen täglich die Nachrichten. Manchmal frage ich mich: Was ist aus der Hoffnung von damals geworden?

Ein Hoffnungszeichen aus jener Zeit jährt sich heute zum 36. Mal. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung erklärte das vereinte Deutschland in Genf den Verzicht auf atomare, biologische und chemische Waffen. Gerade in einer Zeit, in der so viel über militärische Stärke gesprochen wird, bleibt das für mich ein starkes Zeichen. Frieden beginnt dort, wo Menschen bewusst auf Gewalt verzichten und bereit sind, einander zuzuhören.

Die Botschaft Jesu: Liebe deinen Nächsten

Genau dort setzt auch die Botschaft Jesu an. Er ruft dazu auf, den Nächsten zu lieben, Grenzen zu überwinden und auch dem Fremden mit Offenheit zu begegnen. Dabei stellt er nicht Macht oder Einfluss in den Mittelpunkt, sondern den einzelnen Menschen – besonders die Schwachen, die Armen und diejenigen, die unsere Hilfe brauchen.

Nächstenliebe ist Herausforderung

Nächstenliebe ist dabei keine romantische Vorstellung nach dem Motto: „Wir haben uns alle lieb.“ Sie fordert mich heraus. Sie fragt ganz konkret: Wer braucht heute meine Aufmerksamkeit? Wem kann ich zuhören? Wem kann ich Mut machen oder beistehen? Frieden wächst nicht erst am Verhandlungstisch der Mächtigen. Er beginnt dort, wo Menschen einander mit Respekt begegnen und den ersten Schritt aufeinander zugehen.

Frieden beginnt im Kleinen

Natürlich kann ich die großen Konflikte dieser Welt nicht allein lösen. Aber ich kann entscheiden, wie ich den Menschen begegne, die mir heute über den Weg laufen. Ob ich versöhne statt spalte. Ob ich zuhöre, statt vorschnell zu urteilen. Ob ich Frieden fördere, statt neuen Unfrieden zu säen. Gerade weil wir uns in Deutschland so lange an den Frieden gewöhnen durften, sollten wir ihn nicht für selbstverständlich halten. 

Vielleicht beginnt genau dort die Hoffnung, nach der wir uns heute wieder so sehr sehnen: indem wir uns im Alltag immer wieder neu füreinander entscheiden, unseren kleinen Beitrag zum Frieden leisten – und das jeden Tag aufs Neue.