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Rudolff, Claudia

Eine Sendung von
Claudia Rudolff,
Rundfunkpfarrerin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel

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Bei einem Baby wird im Südsudan der Armumfang gemessen

"We are the world" - USA for Africa

Musik

Ende 1984 sitzt Harry Belafonte vor dem Fernseher. Er sieht Bilder und Berichte von der verheerenden Hungerkatastrophe in Afrika, vor allem in Äthiopien. Millionen Menschen sind betroffen, viele kämpfen ums Überleben. Diese Bilder prägen sich ihm ein. Sie gehen ihm nach, lassen ihn nicht mehr los. Wegsehen kann er nicht. Er weiß: Ich muss etwas tun.

Musik

There comes a time when we heed a certain call
When the world must come together as one
There are people dying
Oh, and it′s time to lend a hand to life
The greatest gift of all

Es kommt die Zeit, wenn wir einen bestimmten Aufruf brauchen
Wenn die Welt als Ganzes zusammenkommen muss
Es sterben Leute
Oh, und es ist Zeit dem Leben zu helfen
Das größte Geschenk von allen

Wie Harry Belafonte die Idee für „We Are the World“ entwickelte

Harry Belafonte hat den Ruf gehört, tief in seinem Herzen. Er spürt: Irgendwas muss geschehen, um dieses Sterben zu beenden. Er ist überzeugt: Niemand kann so tun, als ginge ihn die Hungerkatastrophe auf dem anderen Kontinent nichts an. Allein kann er wenig ausrichten. Aber mit anderen zusammen? Und er hat eine Idee: Warum nicht mit Musik helfen? Ein gemeinsames Lied, das Geld einbringt für die Menschen in Afrika.

Michael Jackson und Lionel Richie schrieben den berühmten Charity-Song

Harry Belafonte weiß sofort, wen er anrufen kann. Er wendet sich an Michael Jackson und Lionel Richie und bittet sie, ein Lied zu schreiben. Beide sagen zu. Eine Woche lang arbeiten sie daran. Dann ist das Lied fertig.

Musik 

We are the world, we are the children
We are the ones who make a brighter day
So let's start giving

Wir sind die Welt, wir sind die Kinder
Wir sind diejenigen, die einen strahlenderen Tag machen
So laßt uns anfangen zu geben

Von der Idee zur Umsetzung: Wie entsteht ein weltweiter Musik-Hit?

Der Song ist geschrieben. Aber wie geht es jetzt weiter? Harry Belafonte spricht andere Musikerinnen und Musiker an und erzählt ihnen von seiner Idee. Viele sind begeistert und wollen helfen. Nur wie kann das gelingen? Wie kann er so viele der damaligen Superstars zur gleichen Zeit an einen Ort bringen? 

Warum die American Music Awards 1985 entscheidend waren

Harry Belafonte nutzt die Gunst der Stunde: Am 28. Januar 1985 kommen ohnehin viele Stars in Hollywood zusammen – zur Verleihung der American Music Awards. Am nächsten Morgen werden sie wieder abreisen. Es bleibt also nur eine Nacht. Ein kleines Zeitfenster, aber das reicht aus. 

Musik

There′s a choice we′re making
We're saving our own lives
It′s true we'll make a better day
Just you and me

Da gibt es eine Wahl, die wir treffen
Wir retten unsere eigenen Leben
Es ist wahr, wir werden einen besseren Tag machen
Nur du und ich

46 Weltstars wirken bei „We Are the World“ mit

46 Stars haben eine Wahl getroffen: Sie folgen Harry Belafontes Einladung. Mit dabei sind unter anderem Lionel Richie, Michael Jackson, Stevie Wonder, Tina Turner, Cyndi Lauper, Bruce Springsteen und Bob Dylan. Größer geht es Mitte der achtziger Jahre kaum.

Musik rettet Leben: Die Wirkung des Charity-Projekts

Gemeinsam nehmen sie das Lied auf – als Schallplatte. Eine Single, so hieß das damals. Die Einnahmen aus dem Verkauf werden gespendet, damit Menschen in Afrika bekommen, was sie zum Leben brauchen. Harry Belafonte setzt auf das, was da ist: das Talent der Künstler, ihre Stimmen, ihre Musik. Die eigene Gabe für andere einsetzen. Darum geht es.

Musik

Well, send ′em you your heart
So they know that someone cares
And their lives will be stronger and free
As God has shown us
By turning stone to bread
And so we all must lend a helping hand 

Also, schicke ihnen dein Herz
So daß sie wissen, dass sich jemand um sie kümmert
Und ihre Leben werden stärker und frei sein
Wie Gott es uns gezeigt hat
Als er Stein zu Brot verwandelte
Und so müssen wir alle helfen

War alles wirklich so einfach? Ein Blick hinter die Kulissen  

Im Nachhinein wundert man sich vielleicht: So einfach kann es sein, anderen sein Herz zu schicken, Anteil zu nehmen. Und so wirksam. Und das alles in einer Nacht – das gleicht einem Wunder! Aber es war gar nicht so einfach. 

„Check your ego at the door“ – Das Erfolgsgeheimnis der Aufnahme

Um 21 Uhr abends damals beginnen die Aufnahmen. Die Produktion übernimmt vorrangig Quincy Jones. Weil nur diese wenigen Stunden für die Aufnahme zur Verfügung stehen, will er sich nicht mit Allüren und Extrawünschen einzelner Sänger*Innen herumschlagen. Deshalb hängt er ein Schild an die Tür des Studios. Dort steht für alle sichtbar: „Check your ego at the door!“, auf Deutsch: „Das Ego bitte am Eingang abgeben!“ 

Egos, Konflikte und Zusammenarbeit: Wie aus Chaos Harmonie wurde

Leichter gesagt als getan: Zuerst geht es chaotisch zu bei der Aufnahme zu dem Song. Alle singen in ihrer Stimmlage. Aber um gut zu klingen, muss es oft dieselbe Stimmlage sein. Wer die hohen Töne also nicht mitsingen kann, soll einfach aufhören zu singen, so der Dirigent. Schwer für einen Superstar zu akzeptieren: Bei diesem Part bin ich draußen. 

Andere fragen sich: Warum darf ich keine Solostimme singen? Es wird diskutiert, es gibt kleine Spannungen. Alle sind müde. Aber dann setzt sich das Motto durch: „Check your ego at the door.“ – Lass dein Ego draußen. Und langsam verändert sich etwas. Die eigenen Ansprüche treten zurück. Wichtig wird, was sie gemeinsam erreichen wollen. Sie hören aufeinander. Sie ordnen sich ein. Und am Ende passt es zusammen. Morgens um 8:00 Uhr ist der Song im Kasten.

Von Stars zur Familie: Die Botschaft hinter „We Are the World“

Das, was unmöglich schien, ist vollbracht: die vielen unterschiedlichen Künstler sind zu einer Gemeinschaft geworden. Fast wie eine Familie. Und die ist füreinander da, wenn ein Mitglied in Not ist, Hilfe und Liebe braucht. Im Song heißt es sogar: 

Musik 

We′re all a part of God's great big family
And the truth - you know love is all we need

We are the world, we are the children
We are the ones who make a brighter day
So let's start giving

Wir sind alle ein Teil von Gottes großer Familie
Und die Wahrheit ist, wie du weißt, Liebe ist alles was wir brauchen 
Wir sind die Welt, wir sind die Kinder
Wir sind diejenigen, die einen strahlenderen Tag machen
So laßt uns anfangen zu geben

„We Are the World“ gibt bis heute Hoffnung

Das Lied macht Mut. Wir können etwas verändern, können einander den Tag strahlender machen. Es liegt an uns. Harry Belafonte hat nicht gewartet, dass jemand anderes anfängt. Er hat einfach begonnen. So ist dieses Projekt entstanden. 80 Millionen Dollar sind zusammengekommen. Und hunderttausende Menschen in Afrika sind dem Hungertod entgangen.

Jeder kann helfen: Welche eigenen Gaben wir einsetzen können

Das hat mich damals beeindruckt. In den 80er Jahren. Und es beeindruckt mich bis heute, wenn ich dieses Lied im Radio höre. Dann erinnere ich mich daran, wie es entstanden ist, was es bewirkt hat. Und ich frage mich: Wofür setze ich mich ein?

Ich kann keinen Song schreiben, der Millionen einspielt. Aber ich kann mich kümmern. Ich kann für andere da sein. Ich kann helfen. Ich kann auf meine Gaben schauen. Und sie einsetzen. Ich habe zum Beispiel die Gabe, ohne Scheu auf andere zuzugehen. Ich könnte jemanden besuchen, der sich einsam fühlt. Zuhören. Dasein. Und dieser Mensch merkt: Da ist jemand. Ich bin nicht allein. Und der Tag wird dann vielleicht für ihn ein wenig heller.

Teamarbeit und Demut: Manchmal müssen wir unser Ego zurückstellen 

Und wo ich mit einer Gruppe etwas Gutes für andere tun will, muss ich mich oder meine Gabe manchmal etwas zurückstellen: Check your ego at the door. Das ist nicht immer leicht. Ich kenne auch die Momente, wo mir die Lust vergeht, mitzuwirken, weil es nicht nach meinem Kopf geht. Das gilt für mein Team an der Arbeit, in der Familie und viele andere Situationen: „Check your ego at the door“ heißt da: Ratschläge anderer beachten, mich auf ihre Vorschläge einlassen, in Diskussionen anderen zuhören. Dies Ernst nehmen: We are all part of gods family - nicht nur ich gehöre dazu.

Das Bandprojekt für Afrika hat damals viel bewirkt. Und es ist bis heute ein Beispiel dafür, wie Stars ihre Berühmtheit und Gabe nutzen können, um Gutes zu tun. Aber es braucht nicht immer die ganz große Weltbühne. Es reicht, wenn Menschen aufeinander achten. Und füreinander einstehen. So wird aus vielen Einzelnen Gemeinschaft. We are the world.

Musik

We are the world, we are the children
We are the ones who make a brighter day
So let's start giving
There′s a choice we′re making
We're saving our own lives
It′s true we'll make a better day
Just you and me