hr1 SONNTAGSGEDANKEN
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Walther, Lukas

Eine Sendung von
Lukas Sims,
Pastoralreferent, Referent für Religiöse Bildung im Bischöflichen Jugendamt der Diözese Mainz, Mitarbeiter Kirche im HR

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Eine neue Sicht auf Arbeit

Ich hab einen neuen Job seit kurzem. Und ich war ganz schön aufgeregt, diese neue Stelle anzutreten. Auf meiner bisherigen Stelle war ich zwei Jahre, als Seelsorger in einer Pfarrgemeinde. Für mich persönlich sind zwei Jahre eine lange Zeit, aber dann auch wieder recht kurz. Ich darf wahrscheinlich noch knapp 40 Jahre arbeiten.

Gibt es einen Plan B?

Nachdem ich mich beworben habe, war ich ganz schön aufgeregt: Werde ich genommen? Was, wenn sich jemand anderes beworben hat, die besser qualifiziert ist? Habe ich einen Plan B? Ich hatte richtig Lust auf diese neue Stelle: als Referent in der Jugendarbeit.

Warum verunsichert mich ein Jobwechsel so sehr?

Ich denke, das ist eine Situation, in die fast jeder im Laufe seines Lebens einmal kommt. Denn Arbeit gehört zu unserem Leben früher oder später dazu. Irgendwann bewerbe sich die meisten auf die allererste Stelle oder sie orientieren sich vielleicht später beruflich um. Da kommen mir als erstes die Befürchtungen in den Sinn, ob das Gehalt ausreicht, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber es geht nicht nur ums Geld. Mit einem Beruf, einer Stelle verbinde ich einen gewissen Status. Es gibt Berufe, die sind angesehener als andere, obwohl sie einen wichtigen Beitrag zu meinem alltäglichen Leben leisten. Ein gutes Beispiel sind die Menschen, die bei der Müllabfuhr arbeiten und die Ärzte, ohne beide könnte ich nicht gut leben.

Passe ich noch ins Team?

Natürlich hatte ich mich in meinem Fall im Vorfeld informiert, ob ich alle Voraussetzungen erfülle, mich bewerben kann, wie meine Chancen stehen und was mich ungefähr erwartet. Aber die Unsicherheit war trotzdem da. Ich kenne auch Freunde, die sich bei einer Bewerbung fragen: Bin ich zu alt? Will mich überhaupt noch jemand einstellen? Passe ich vom Altersunterschied her ins Team?

Die Erlösung

Aber dann kam die erlösende E-Mail auf meine Bewerbung für die neue Stelle: Herzlich willkommen im neuen Team! Ich war sehr froh über die Nachricht. Mittlerweile hab ich die ersten Tage hinter mir und auch das neue Team schon kennengelernt. Ich frage mich: Passen wir von unserer Arbeitsweise gut zusammen?

Wie sieht der Alltag aus?

Deswegen bin ich immer noch ein bisschen aufgeregt, wenn ich morgens zu meiner neuen Stelle fahre. Denn klar: In der Stellenbeschreibung und im Bewerbungsgespräch wurden die ungefähren Aufgaben und Bereiche besprochen, aber wie es im Alltag aussieht, wird sich erst allmählich zeigen, wenn ich so richtig angekommen bin.

Die Angst beim Neuanfang

Davor habe ich auch ein wenig Angst: Nicht schnell genug beim Onboarding zu sein. Immer wieder nachfragen zu müssen, wie denn etwas geht. Gleichzeitig weiß ich: Das gehört einfach zu einer neuen Stelle dazu und die Kollegen sind sicherlich nachsichtig mit mir. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Die große Frage war für mich: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um die Stelle zu wechseln? Die bisherige Stelle hat mir Sicherheit gegeben. Einen Gehaltsverlust muss ich zum Glück nicht in Kauf nehmen, aber das kann mir bei einem neuen Job auch durchaus passieren. Wichtig ist mir, dass es sich richtig für mich anfühlt. Es gibt ja auch Gründe, die mich dazu gebracht haben, die alte Stelle zu verlassen.

Musik

Bei meiner neuen Stelle habe ich natürlich die Hoffnung, dass ich meine Kompetenzen und Talente verwirklichen kann und mich verbessern kann. Mein Job soll nicht einfach nur lästige Arbeit sein, sondern mich fördern und fordern. Damit ich mich beruflich und persönlich weiterentwickle und nicht stehenbleibe. 

Glaube und Talente in der Arbeit

Meine Talente will und soll ich nutzen. Das sagt mir auch mein Glaube: Jeder Mensch hat einzigartige Talente und Fähigkeiten von Gott bekommen. Die soll ich bestmöglich nutzen und entwickeln. Das sagt auch ein Gleichnis, das Jesus den Menschen erzählt hat in der Bibel (vgl. Matthäus-Evangelium 25,14-30). Für mich bedeutet es: Ich habe die Möglichkeit aufzublühen.

Wie finde ich die richtige Work-Life-Balance?

Aufblühen heißt für mich: Ich schöpfe nicht nur die beruflichen Möglichkeiten aus, sondern fühle mich auch in meinem Leben insgesamt wohl. Ich habe deswegen sehr auf Folgendes geachtet für die neue Stelle Ich will mich nicht krank arbeiten, zum Beispiel, weil alles nur an mir hängt, sondern: Ich will eine gesunde Work-Life-Balance. Denn was hab ich am Ende von meinem Leben, wenn ich nur am Arbeiten bin. 

Auch Gott hat einen ruhigen gemacht

Auch das übrigens sagt mir mein Glaube: Pass auf dich auf, lieb dich selbst! Und vor allem: Mach Pausen! Selbst Gott hat am siebten Tag einen ruhigen gemacht. Ich will auch die Gelegenheit haben, meinen Hobbys nachzugehen, Sport zu machen und gesund zu bleiben.

Wann fühlt sich Arbeit sinnvoll an?

Gleichzeitig hat Arbeit für mich nicht nur eine mühsame Komponente: Durch meine Arbeit kann ich mich weiterbilden und insgesamt hilft sie mir, zufrieden zu bleiben. Arbeit sichert meinen Lebensunterhalt und strukturiert meinen Alltag. Ich merke immer wieder, wie wichtig es ist, dass Arbeit ihren Platz hat, aber nicht mein ganzes Leben bestimmt. Ich brauche eben auch Zeiten der Ruhe, Begegnungen mit Menschen, Musikpausen und Raum für meinen Glauben – all das gehört für mich genauso dazu. Genau das ist dann meine Kraftquelle, die mich auch in meiner Arbeit trägt. Wenn ich ausgeglichen bin, arbeite ich nicht nur besser, sondern auch bewusster und mit mehr Freude.

Teamarbeit und Erfolge

Freude durch die Arbeit, die spüre ich vor allem dann, wenn es auf der Arbeit rund läuft, wenn ein Projekt zu einem guten Abschluss kommt oder wenn ich eine tolle Begegnung machen darf. Dann bin ich zufrieden, nach einer stressigen Phase auch erleichtert. Ich merke: Mein Beitrag hat eine Bedeutung. 

In solchen Augenblicken ist die Arbeit dann ein Raum, in dem ich meine Gaben, meine Talente einsetzen kann. Ich erlebe mich als selbstwirksam und Teil von etwas Größerem. Besonders, wenn ich mit einem Team gemeinsam etwas auf die Beine stelle. Dann ist es schön, wenn man diese Momente zusammen feiern kann. Den Moment, in dem ich spüre: Genau dafür mache ich das.

Musik 

Mich mit anderen über Erfolge freuen, ist für mich sehr wichtig. Ich weiß nämlich, das ist kein Dauerzustand. Die Glücksmomente sind auf der Arbeit Ziele, auf die ich hinarbeiten kann. Sie sind dann wie ein Kompass, gerade dann, wenn der Alltag wieder fordernder wird.

Wie gehe ich mit neuen Strukturen um?

Für mich wird es jetzt gerade erstmal fordernder: neues Team, neue Aufgaben und neues Büro – letzteres darf ich erstmal gemeinsam mit einem Kollegen einrichte. Ich freue mich darauf, gleichzeitig sind es viele Veränderungen auf einmal. Es ist das erste Mal, dass ich nicht allein in einem Büro sitze. Für mich bedeutet das: mehr Team, mehr Austausch und mehr Miteinander. Das verändert das gemeinsame Arbeiten komplett für mich. 

Was mir Halt gibt

Ich bin dann doch auch ein Mensch, der gerne sein gewohntes Umfeld hat. Da kann ich auch mal erschrecken, wenn sich so viel auf einmal ändert. Aber bei aller Veränderung bin ich froh, dass ich Konstanten in meinem Leben habe. Bei mir ist das meine Familie und mein persönlicher Glaube. Das sind sichere Häfen, in die ich mich zurückziehen kann, wenn es mir zu viel wird. Meine Frau unterstützt mich und schenkt mir eine andere Perspektive, wenn ich nicht weiterweiß. Für mich ist auch mein Glaube eine Möglichkeit, Kraft zu sammeln, wenn zum Beispiel große Entscheidungen anstehen, wie eine Bewerbung. 

Wo stehe ich und wo will ich hin?

Gerade in solchen Momenten merke ich, was ein großer Teil Arbeit von meinem Leben ist. Eine Bewerbung ist für mich nicht nur ein formaler Schritt oder ein Stück Papier. Sie drückt immer auch aus, wo ich gerade stehe und wo ich hin möchte. Sie bündelt die Zweifel und die Hoffnung zugleich: Werde ich den Anforderungen gerecht? Finde ich einen Platz, um mich weiterzuentwickeln?

In der Unsicherheit mehr über mich selbst lernen

Im Rückblick wird mir klar: Es sind oft genau die Phasen der Unsicherheit und Hoffnung, die mich weitergebracht haben. Nicht, weil es immer angenehm ist, sondern weil sie mich herausfordern, ehrlich auf mich selbst zu schauen: Was kann ich? Was will ich? Was bin ich bereit zu verändern? Eine Bewerbung bedeutet für mich dann nicht nur einfach einen Versuch, irgendwo angenommen zu werden. Ich nehme damit eher mich und meine Wünsche ernst. 

Neuanfang wagen

Das geht nur, wenn ich im Alltag einen Moment innehalte und mir zugestehe, mich auch neu auszurichten. Wenn ich mir eingestehe, wenn etwas nicht mehr passt. Ich schaue, was ich eigentlich noch besser kann. Und dann gehe ich den nächsten Schritt, auch wenn er sich am Anfang unsicher anfühlt. 

Ich glaube, für einen Neuanfang oder eine Umorientierung in der Arbeit ist es nie zu spät. Ich brauche nur den Mut, den Schritt zu wagen.